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E x p o s é :
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Dies ist eine äußerst ungewöhnliche Biografie. Eine unvergleichliche und im wahrsten Sinne des Wortes wunderbare und magische Lebensgeschichte, die ihresgleichen sucht und in Erstaunen versetzt. Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, die den Menschen vermittelt, dass es die wahre und unsterbliche Liebe immer noch gibt. Eine Geschichte zwischen zwei Dualseelen, die Tausende von Kilometern getrennt voneinander leben und doch im Geiste miteinander verbunden sind. Eine Geschichte über Engel, die auf diese Erde inkarnierten, um den Menschen Freude und Hoffnung zu bringen, und die nicht zuletzt beweist, dass es den Zufall niemals gab und die Menschen immer schon von der allmächtigen Existenz Gottes geleitet wurden. Eine göttliche Geschichte, die erzählt werden wird, solange es noch Sand in der Wüste gibt … |
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L e s e p r o b e :
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Dear Shahrukh,
ich möchte dir eine überaus mächtige Geschichte erzählen. Mächtig? Ja, Shahrukh, im wahrsten Sinne des Wortes besitzt diese Geschichte Macht. Sie besitzt Macht, Kraft und Magie. Denn eines weiß ich aus eigener Erfahrung mittlerweile mehr als sicher: Es existiert nichts Stärkeres, Machtvolleres und Magischeres als die Liebe!
Als aber Johnny Depp in der Rolle des Don Juan die vier bedeutungsvollsten Fragen des Lebens stellte ...
„Was ist heilig?
Woraus besteht der Geist?
Wofür lohnt es sich zu leben?
Und wofür lohnt es sich zu sterben?“
(Don Juan de Marco / USA !995)
… ahnte ich noch nicht, mit welch leidenschaftlicher Überzeugung ich meine eigenen Antworten auf diese Fragen nur ein paar Jahre später niederschreiben würde:
Die Liebe ist das, was heilig ist!
Aus Liebe besteht der Geist!
Für die Liebe, lohnt es sich zu leben!
Und für die Liebe, lohnt es sich zu sterben!
Darüber hinaus ist sie die größte, schönste und bei weitem interessanteste Geschichte in meinem Leben. Man könnte sagen, es ist die Geschichte meines Lebens.
Fragst du dich nun, weshalb ich sie ausgerechnet dir erzählen will? Ich möchte sie dir nicht zuletzt deshalb erzählen, weil sie genauso auch die Geschichte deines Lebens ist. Deines Lebens? Ja, Shahrukh, deines Lebens! Denn wir beide haben etwas sehr Wesentliches gemeinsam, wenn für dich im Moment auch unmöglich zu erahnen sein wird, was das ist. Es sei denn, dir sind bereits mehr Dinge bewusst, als ich wissen kann.
Du erfährst also eine wahre Geschichte, die dich höchst wahrscheinlich in großes Erstaunen versetzen und zu Beginn gewiss auch in Unglauben und Zweifel stürzen wird. So, wie sie bereits auch mich selbst immer wieder in größtes Erstaunen und in größte Verwunderung versetzt hat. Und auch mich riss sie anfangs immer wieder hin und her. Machte mich einerseits glücklich, um mich im nächsten Moment wieder ungläubig fast verzweifeln zu lassen.
Aber sie hatte die Macht mein gesamtes Leben auf eine wunderbare und zauberhafte Art und Weise zu etwas sehr Außergewöhnlichem und Wunderschönem zu verwandeln. Und wer weiß, vielleicht wirst auch du diese wundervolle Macht bereits beim Lesen meiner Zeilen zu spüren bekommen. Doch lassen wir dies Gott – den du Allah nennst - entscheiden, denn von Ihm gehen alle Dinge aus …
*
Deine Augen, Shahrukh, haben mich niemals erblickt, deine Ohren meine Stimme niemals gehört, und doch bist du der einzige Mensch, der mich genauso gut kennt, wie ich mich selbst. Niemals haben deine Lippen zu mir gesprochen - jedenfalls nicht bewusst - und doch sprichst du auf zweierlei Art Worte, die für mich bestimmt sind. Meine Augen kennen dein Gesicht nur von Bildern, nie sind wir uns körperlich nahe gewesen und dennoch sind wir uns begegnet. Dennoch kenne ich dich und weiß, wer und was du in Wahrheit bist. Und du bist noch so viel mehr, als du bisher wahrscheinlich glaubst zu wissen. Wie viel mehr, das wirst du bald erfahren. Wenn du selbst es bis jetzt noch nicht weißt, so wird es dir bewusst sein, in dem Moment, den Gott für den richtigen auserkoren hat.
Eines jedenfalls ist gewiss: Diese Geschichte ist wahrhaftig eine Herausforderung für deinen eher wissenschaftlich denkenden Verstand und nicht zuletzt ein Beweis für die Allmacht Gottes. Eine Offenbarung, die dir die Nachricht deines Lebens überbringt, Shahrukh, und in der du jemandem begegnen wirst, den du sehr gut kennst ...
Doch wer überbringt dir solch eine Nachricht? Mein eigentlicher Vorname lautet Anita, aber seit meinem dreiundzwanzigsten Lebensjahr werde ich von den meisten Menschen, mit denen ich privat zu tun habe, Angel gerufen. Ich war zum damaligen Zeitpunkt etwa zwei bis drei Jahre lang als Sängerin in verschiedenen Klubs und Diskotheken Deutschlands unterwegs, sang Rocksongs von Bands wie Bon Jovi und entschied mich, mir einen etwas passenderen Künstlernamen zuzulegen. Der Name Anita erschien mir viel zu uncool und kleinmädchenhaft und das passte einfach nicht zu mir. Obwohl die eigentliche Bedeutung dieses Namens „Die Begnadete“ sehr wohl zu mir passte, was ich zu der Zeit aber längst nicht wusste.
„Angel“, tauchte dieser Name eines Abends plötzlich in meinem Kopf auf. Angel, ja, das gefiel mir irgendwie. Ich gewöhnte mich schnell an diesen Namen, und von da an blieb er einfach bei mir, selbst, nachdem ich nicht mehr als Sängerin auftrat. Mittlerweile erscheint mir fast fremd, wenn ich mit „Anita“ angesprochen werde.
Du, Shahrukh, wurdest am 2.November 1965 in New-Delhi (Indien) geboren, ich fast genau ein halbes Jahr früher, am 5.Mai 1965 in Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Ich erblickte also im ersten Halbjahr besagten Jahres das Licht der Welt, du im zweiten. Eine Tatsache, dessen tieferen Sinn du später noch verstehen wirst.
Willst du wissen, wer wir beide sind? Wer ich bin, das wird dich nun vermutlich interessieren. Wer du bist, das weißt du schließlich selbst am besten, könntest du jetzt einwenden. Du bist der König von Bollywood, der große Shahrukh Khan, weltberühmt, Schauspieler, Film-Produzent, Tänzer, Model, ein verheirateter Mann und Vater zweier süßer Kinder ...
Gut! Aber weißt du auch, was hinter dem weltgewandten Menschen und attraktiven Mann Shahrukh Khan steht? Ich meine, weißt du auch, wer du in Wahrheit bist, abgesehen von dem ganzen äußerlichen und materiellen Schein, der dich ständig umgibt? Sag, weißt du es? Nein? Ich weiß, es ist kaum nachzuvollziehen, worauf ich hinaus will. Doch das herauszufinden hat noch ein wenig Zeit ...
Ich werde also an dem Punkt der Geschichte beginnen, an dem Du, Shahrukh, durch einen Film nicht nur in mein Fernsehbild, sondern quasi auch in mein Leben gelaufen kamst …
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An einem Samstagabend, dem 19.November 2004 um 20.15 Uhr, saß ich nichts ahnend mit der Fernbedienung in der Hand vor meinem Fernseher und betätigte die Aufnahmefunktion meines Videorekorders. Kabhi Khushi Khabie Gham (mit deutschem Titel: In guten wie in schweren Tagen) war der erste sogenannte Bollywood-Blockbuster, der mir vor die Augen kam. Und so sah ich auch dich, Shahrukh, in diesem Film zum allerersten Mal in meinem Leben. Der Film, schön, rührend, ergreifend und sehenswert. Du, sehr nett anzusehen, sympathisch, deine schauspielerischen Leistungen nicht zu verachten. Also alles in Allem ein guter Film und ein guter Schauspieler. Doch ihr beide - weder dieser Film noch du - wart zu diesem Zeitpunkt etwas Besonderes für mich. Also verschwand das Videoband einfach wieder in meinem Schrank und blieb dort für einige Zeit unbeachtet stehen.
Ich erinnere mich sogar noch daran, dass ein anderer Schauspieler während dieses Films meine Aufmerksamkeit ein wenig intensiver auf sich zog, als deine Person. Und man kann nicht verleugnen, dass Hrithik Roshan ein attraktiver junger Mann und guter Schauspieler ist.
Kurze Zeit später erfuhr ich schließlich, dass die Stars dieses besagten Bollywood-Streifens am 18.Dezember 2004 in die Dortmunder Westfalenhalle kommen würden, um dort ein Konzert zu geben. Deine Premiere in Deutschland - du dürftest dich erinnern, Shahrukh.
Dortmund liegt - nebenbei bemerkt - relativ nahe der Kleinstadt, in der ich lebe. Es wäre für mich also nicht schwierig gewesen, dorthin zu fahren. Doch ehrlich gesagt, interessierte mich weder dieses Konzert besonders, noch die Tatsache, dass dieser Hrithik Roshan dabei sein könnte. Als aber kurz nach diesem Konzert darüber berichtet und einige Ausschnitte im TV gezeigt wurden, hielt ich dennoch spontan Ausschau nach ihm. Aber ich entdeckte ihn nirgends. Stattdessen sah ich für ein paar Sekunden lang einen tanzenden Shahrukh Khan auf der Bühne, dem ich allerdings so wenig Beachtung schenkte, dass ich kurzerhand auf einen anderen Sender zappte.
Im Februar 2005 lief auf einem anderen Sender Dil Se (deutscher Titel: Von ganzem Herzen) - Hindi mit deutschen Untertiteln. Ich sah mir diesen Film vielleicht eine drei viertel Stunde lang an, weil ich hoffte, er könne mir in etwa genauso gut gefallen wie der vorherige. Doch dem war nicht so, und so schaltete ich nach einer Weile ein wenig gelangweilt um. Gut möglich, dass dafür hauptsächlich diese für mich eher nervigen Untertitel verantwortlich waren, die beim Lesen verhinderten, dass ich mich richtig auf den Film konzentrieren konnte. Aber einige Zeit später sah ich ihn dann doch noch in seiner gesamten Länge und musste feststellen, dass ich ihn durchaus mochte.
Auch jenen ganz besonders, der dann nur ein paar Tage später ebenfalls im Fernseher ausgestrahlt wurde: Kuch Kuch Hota Hai (Und ganz plötzlich ist es Liebe …). Wobei du spätestens jetzt erfährst, dass die deutschen Titel der jeweiligen Bollywood-Filme nicht in jedem Fall die genaue Bedeutung ihrer Originaltitel wiedergeben - wenn du es nicht längst wusstest. Es gibt Fans, die sich darüber zu ärgern scheinen, wenn für mich auch nicht nachvollziehbar. Aufgrund ihrer ganz besonderen Aussagekraft - die man auf den ersten Blick kaum vermuten würde - liebe ich gerade die deutschen Titel ganz besonders. Doch wie auch immer, Kuch Kuch Hota Hai wurde ebenfalls in Hindi und mit deutschen Untertiteln ausgestrahlt. Aber diesmal schienen sie mich weniger zu stören, denn ich sah ihn mir bis zum Schluss an.
Bedeuten die Worte „kuch kuch hota hai“ nicht so viel wie „es ist etwas passiert“? Das würde zumindest zur folgenden Situation sehr gut passen. Denn ich weiß noch ganz genau, wie in einem Moment meine gesamte Aufmerksamkeit zum allerersten Mal vollkommen auf dich gerichtet war, Shahrukh. Genauer gesagt, ich sah dich plötzlich mit anderen Augen und nicht mehr einfach nur als irgendeinen indischen Schauspieler. Ich betrachtete dich nun mit den Augen einer Frau und sah dich zum ersten Mal ausschließlich als Mann, wenn du verstehst, was ich meine. Und ich dachte: Dieser Typ scheint eigentlich der perfekte Kerl für eine Frau zu sein. Ein verspielter, sensibler und empfindsamer großer Junge, der trotzdem ganz Mann ist, intelligent und überlegen. Ein cooler und doch einfühlsamer Mensch, der den Eindruck erweckt, als müsse man ihn beschützen. Humorvoll, witzig und trotzdem auch nachdenklich und ernst zugleich. Ein ganz straighter Typ, der dazu noch den Mut besitzt, so viel Gefühl zu zeigen. Eigentlich ein Mann zum Verlieben ...
Sicher, mir war vollkommen klar, dass du eine Rolle spieltest. Und ich dachte mir, dass es kaum möglich sei, dass dieser Schauspieler, den ich da sah, auch in seinem privaten Leben ein Mann sein könne, der all diese traumhaften Eigenschaften in sich vereine. Und trotzdem wusste ich in diesem Moment ganz sicher: Du tust es, Shahrukh, du verbindest ganz genau diese Gegensätze auch als Privatmensch in dir. Woher ich das wusste? Es war wie eine innere Gewissheit, die ich in diesem Moment nicht infrage zu stellen brauchte. Doch stattdessen fragte ich mich, warum du mir nicht schon vorher wirklich aufgefallen warst. Dabei besaßt und besitzt du auch immer noch all die äußerlichen Merkmale, die mich an einem Mann besonders ansprechen: Schwarzbraunes Haar, schöne und sehr ausdrucksvolle braune Augen ...
Aber warum sind sie so traurig, Shahrukh? Du kannst deine Gefühle einfach nicht verbergen - nicht vor der Welt und erst recht nicht vor mir. Du hast etwas verloren, etwas sehr Wertvolles verloren. Aber nicht nur das, was du glaubst verloren zu haben ist es, das deine Augen oft so traurig und leer in die Welt blicken lässt. Es ist so viel mehr! Geliebte Menschen zu verlieren ist das Traurigste, das einem auf Erden widerfahren kann. Doch einen wesentlichen Teil seines Selbsts zu verlieren, ist um ein Vielfaches härter ertragen zu müssen.
Augen werden nicht umsonst „Spiegel der Seele“ genannt. Deine Seele trauert auch um deine viel zu früh verstorbenen Eltern. Vor allem aber um einen Teil deines eigenen Ichs, der dir einst abhanden kam, selbst, wenn es dir im Moment noch nicht bewusst ist, Shahrukh. Doch ich weiß, wovon ich rede! Und eines kannst du mir gewiss glauben: Wenn du deine Augen offen hältst und bereit bist, wirst du diesen Teil wiederfinden. Deine Traurigkeit wird sich in Glück wandeln, und deine Augen werden vor Freude leuchtender strahlen als in den Momenten, in denen du einen wertvollen Preis für deine schauspielerischen Leistungen in Empfang nimmst.
... sinnliche Lippen, anziehende Grübchen, wenn du lächelst und eine durchaus unübersehbar charismatische Ausstrahlung. Sah ich da also etwa keinen Traummann? Aber obwohl ich nun auch deine optischen Vorzüge wahrgenommen hatte, war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich in der Lage, deine wahre Schönheit zu erkennen. Du warst einfach nicht mein Typ!
Doch was war nur plötzlich los mit mir selbst? Irgendetwas war seit diesem Film anders. Und irgendetwas, das ich mir nicht genau erklären konnte, hattest du in mir ausgelöst. Etwas, das ich bisher so noch nicht gekannt hatte, und ich wurde meine Gedanken an dich einfach nicht mehr los. Sie drängten sich mir regelrecht auf, und ich konnte mich darüber nur noch wundern, weil ich absolut nicht verstand, weshalb und wie ein fremder indischer Schauspieler meine Gedanken derart gefangen nehmen konnte, dass es mir schon nicht mehr normal erschien.
Natürlich, es gab auch in meiner Vergangenheit eine Zeit, in der ich den einen oder anderen gut aussehenden männlichen Star mehr oder weniger angehimmelt hatte, doch die war längst vorbei. Aus diesem Alter war ich definitiv raus. Aber vor allem war mir damals vollkommen bewusst, weshalb genau ich Interesse an jemanden hatte. Das mit dir hingegen war eindeutig etwas völlig Anderes. Und ich empfand nichts Schwärmerisches für dich. Ich himmelte dich nicht an. Allerdings übtest du eine merkwürdige und derart starke Anziehungskraft auf mich aus, die mich zusehends mehr und mehr vereinnahmte ...
Ich beschloss, die Videokassette des ersten Filmes wieder aus dem Schrank hervorzuholen. Es musste doch herauszufinden sein, was genau es an dir war, dass mich wie magisch anzog. Mein Blick klebte förmlich an dir und es war fast so, als suchten meine Augen irgendetwas Unbestimmtes. Aber noch eher schien es mir, als prüften sie alles an dir auf Herz und Nieren. Denn ich verfolgte gebannt jede einzelne deiner Gefühlsregungen, jede noch so winzige Bewegung in deinen Gesichtszügen. Nicht das kleinste Detail in deiner Optik entging mir. Ja, selbst die Handlung des Films bekam ich nur noch am Rande mit. Aber ich begriff einfach nicht ...
Ich sah mir diesen Film auch danach noch einige Male an, aber es änderte sich nichts. Ich schien fast wie besessen von einem Mann, der mir nicht einmal außergewöhnlich gut gefiel. Irgendwie erschien mir das Alles mehr als paradox. Eigenartig, aber so was Schräges kannte ich nicht von mir. Und ich konnte nur erstaunt über mich selbst und diese ganze Situation den Kopf schütteln. Ich war doch nicht plötzlich einfach so durchgeknallt, oder etwa doch?
Im März 2005 lief dann Indian Lovestory (Lebe und denke nicht an morgen) im TV. Und wieder klebte mein Blick fast ununterbrochen an deinem Gesicht. Aber immer noch konnte ich mir nicht erklären, warum ich gerade auf dich so fixiert war. Und immer wieder fragte ich mich verwundert: Was ist bloß los, was hab ich bloß mit diesem Typen zu tun ...?
Ein andermal sah ich diesen Film gemeinsam mit meiner Mutter an. Während er lief, sagte sie plötzlich heiter: „Ich glaube, ich bin auch verliebt in diesen Shahrukh Khan.“ Sie hatte bereits mitbekommen, dass ich völlig fasziniert von dir war. Deshalb ging sie wohl einfach davon aus, dass ich verliebt in dich sei. Doch das war ich nun einmal nicht, und aufgrund dieser Tatsache erschien mir logischerweise rätselhaft, dass mir nicht besonders gefiel, was sie gerade gesagt hatte. Ich reagierte zwar mit einem Grinsen im Gesicht aber dennoch leicht empört: „Ehy, Finger weg, der gehört mir ...“ Meine Mutter grinste ebenfalls. Im selben Augenblick aber, wunderte ich mich darüber, dass mir ihre Aussage einen leicht eifersüchtigen Stich versetzt hatte. Und obwohl ich mich genauso auch über meine leichte Empörung wunderte - denn dass du, Shahrukh, nicht wirklich mir gehörtest, war mir natürlich vollkommen klar - empfand ich meine Worte dennoch als irgendwie gerechtfertigt. Ich sagte ja, „paradox“ und für mich in diesem Moment verstandesmäßig ganz und gar nicht erklärbar.
Irgendwann gab es einen Moment, in dem ich mich fragte, weshalb ich nicht bereits wenigstens einmal von dir geträumt hatte. Meine Träume waren bereits seit meiner frühesten Kindheit ziemlich intensiv und schienen oft sehr realistisch. Und so beeindruckt, wie ich mittlerweile von dir war, hättest du mir meiner Meinung nach längst in einem meiner Träume begegnet sein müssen. Und genau das tatest du dann etwas später auch. Der folgende Traum war also der erste, in dem wir uns trafen ...
Ich stehe mit einer Freundin an einem Bahnsteig. Wir warten auf den Zug. Nach kurzer Zeit fährt nur ein einziger Waggon in den Bahnhof ein. Nachdem wir eingestiegen sind, sehe ich mich während der Fahrt im Abteil um ... Ich weiß, in diesem Waggon befinden sich ausschließlich Menschen, mit denen ich jemals in irgendeiner Form zu tun hatte. Einige Gesichter erkenne ich sofort. Andere wiederum erscheinen mir aus diesem Leben unbekannt, obwohl mir bewusst ist: Ich kenne all diese Menschen.
Aber im Grunde halte ich nur nach einem Ausschau. Ich lasse meinen Blick schweifen auf der Suche nach dir, Shahrukh. Doch ich kann dich nirgends entdecken und gebe nach ein paar Sekunden meine Suche wieder auf.
Kurz vor der nächsten Bahnhofsstation beginnt der Wagen seine Fahrt zu verlangsamen. Mitten im Gang stehend drehe ich mich um und sehe direkt vor mir einen dunklen Hinterkopf. Mit dem Rücken zur mir gewandt sitzt du plötzlich da. Du stehst auf, drehst dich zu uns um und begrüßt meine Freundin und mich mit einem freundlichen aber etwas reservierten Lächeln per Handschlag und ein paar höflichen Floskeln. Kurzer unverbindlicher Small Talk, der Waggon hält, du verabschiedest dich und steigst aus.
Als ich erwachte, wunderte ich mich ein wenig über dein Aussehen im Traum. Du warst ein paar Zentimeter kleiner als ich. Eigenartig, denn so klein erschienst du mir in deinen Filmen nicht. Aber möglich war alles, schließlich wusste ich zu diesem Zeitpunkt rein gar nichts über dich. Heute weiß ich natürlich, dass du etwa acht Zentimeter größer sein musst, als ich es bin. Deine Größe wird allgemein mit etwa 1,75 Meter angegeben. Dein Gesicht war leicht verändert, und du trugst einen dunklen Anzug und einen schwarzen Aktenkoffer, ganz geschäftsmäßig. Und überhaupt, warum träumte ich so etwas Eigenartiges?
Sicher, ich hatte zuvor schon hin und wieder darüber nachgedacht, ob es so was wie Wiedergeburten tatsächlich geben könne. Und es schien mir einfach zu vermessen, beurteilen zu wollen, dass solche existenziellen Dinge, wie beispielsweise Reinkarnationen, unmöglich seien. Ich hielt sie also zumindest für möglich, wenn die Vorstellung daran mir auch sehr eigenartig, fremd und unwirklich erschien. Doch dieser Traum ließ mich sehr wohl darüber nachdenken, ob dieses Thema mit meiner eigenartigen Fixiertheit auf dich zu tun haben könnte. Und wenn dem so wäre, wie passte dann dein höchstens bekanntschaftsmäßiges, ein wenig distanziertes Verhalten zu meinen intensiven Gefühlen, die mich so stark zu dir hinzogen? Und warum tauchtest du doch noch so urplötzlich im Traumgeschehen auf, nachdem ich schon längst glaubte, du gehörtest nicht zu den Menschen, die in irgendeiner Form mit mir und meinem Leben zu tun hatten? Denn allein die Tatsache, dass ich dich in irgendwelchen Filmen gesehen hatte, reichte nicht aus, als dass du dich in diesem Zugwaggon hättest befinden dürfen. Dessen war ich mir gefühlsmäßig ziemlich sicher.
Kannte ich dich also vielleicht doch schon wesentlich länger, als ich es mir auch nur annähernd vorzustellen vermochte? Warst du mir also jemals begegnet, lange bevor ich dich zum ersten Mal auf dem Bildschirm gesehen hatte?
Es müsste im April 2005 gewesen sein, als du mir dann einige weitere Male unerwartet in meinen Träumen erschienen bist. Und einer dieser Träume war dann auch der Auslöser dafür, dass ich so langsam aber sicher zu glauben begann, es könne tatsächlich etwas Ernsteres hinter dieser ganzen Geschichte stecken, als mein unbedarfter Menschenverstand anfangs für möglich hielt.
Ich kann mich noch genau erinnern, es war etwa in der Zeit zwischen 8.30 Uhr und 9.00 Uhr morgens. Und eigenartigerweise hatte ich in dieser halben Stunde gleich vier aufeinanderfolgende Träume, in denen du vorkamst. Nach jedem dieser Träume war ich sofort hellwach und fiel danach sonderbarerweise aber auch sofort wieder wie ein Stein in den Tiefschlaf. Alle vier Träume waren beim Aufwachen klar und deutlich in meinem Bewusstsein, allerdings waren die beiden ersten nur kurz und nicht sehr prägnant. Also maß ich ihnen kaum an Bedeutung bei und vergaß deren Inhalt nach einigen Tagen sogar wieder. Der dritte Traum wunderte mich dann schon ein wenig. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt nicht ernsthaft glaubte, dass er etwas Besonderes zu bedeuten haben könne ...
Mit einem Kugelschreiber in der Hand sitze ich allein in einem Klassenzimmer an einem Schreibtisch und schreibe irgendetwas in einen großen Collegeblock … Plötzlich kommst du als mein Lehrer wie selbstverständlich auf mich zu, Shahrukh, und lächelst mich freundlich und vertraut an. Ich reiche dir mein Heft und du schaust dir wohlwollend an, was ich geschrieben habe ...
Wenn man nun bedenkt, dass ich Monate später im Herbst 2005 begann, mein Manuskript für dieses Buch in genau einem solchen Collegeblock, mit einem einfachen Kugelschreiber zu schreiben, dann wird klar, dass dies nicht einfach nur ein banaler Traum gewesen sein konnte.
Nachdem ich mir eines Morgens beim Erwachen klar darüber war, dass diese Geschichte, die ich erlebte, einfach aufgeschrieben werden musste, wurde mir plötzlich bewusst, was dieser Traum zu bedeuten gehabt hatte. Doch an dem Morgen im April, an dem ich ihn geträumt hatte, blieb mir nur ein kurzer Moment mich zu fragen, warum du in ihm ausgerechnet als mein Lehrer erschienen warst und war - ohne zu ahnen, was nun noch folgen sollte - auch schon wieder im Tiefschlaf versunken ...
Ich stehe vor dem Eingang eines sehr kleinen Parks. Doch im Grunde kann man das Ganze noch nicht einmal als Park bezeichnen. Granitplatten, die den Fußboden bilden. Insgesamt vielleicht etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Quadratmeter an Fläche, gesäumt von ein paar Büschen, Sträuchern und auch kleineren Bäumen. Und in diesem winzigen Park - direkt gegenüber dem Eingang - entdecke ich eine mit der Rückwand zur rechten Seite gerichteten Bank, auf der du sitzt, Shahrukh. Bewegungslos und stillschweigend betrachte ich einfach nur abwartend dein Profil. Du weißt, ich bin da, aber du sagst nichts. Ohne mich zu beachten, starrst du mit einem ernsten, unbeweglichen Gesichtsausdruck vor dir auf den Boden.
Sekunden verstreichen ...
Unerwartet kommen von links drei Kinder, vielleicht etwa zehn bis zwölf Jahre alt. Zwei Jungen, ein Mädchen. Alle drei haben das gleiche, hellblonde Haar und tragen gleiche rotfarbene T-Shirts. Sie gehen an mir vorüber und stellen sich neben dich vor den freien Platz dieser Bank. Sie sprechen dich an, stellen dir Fragen, du antwortest. Diese Kinder scheinen mir Fans von dir zu sein. Dein Gespräch mit ihnen klingt belanglos, trotzdem scheint ihre Anwesenheit nicht unwichtig zu sein. Ich kann jedes der gesprochenen Worte klar und deutlich verstehen, doch werde ich mich nach dem Erwachen an keines mehr erinnern können. Nach kurzer Zeit verlassen dich diese Kinder wieder, der Platz neben dir ist nun frei ...
Doch bevor ich mich zum ersten Mal bewege, taucht erneut ein Kind auf und setzt sich neben dich. Ein Junge. Ungefähr zehn bis zwölf Jahre alt, hellblondes Haar, rotes T-Shirt. Und während auch dieser Junge mit dir redet, betrete ich endlich diesen Park ...
Plötzlich befindet sich links von mir eine kleine Nische, in der mein defekter Sonnenhimmel - ein schwenkbares Solarium - steht. Und als ich mich etwas vorbeuge, entdecke ich auf dessen Kunststoffabdeckung große Ziffern: 30.06.. Ich weiß, es ist ein Datum. Und ich denke, nein, ich denke nicht. Während des gesamten Traumes denke und spreche ich kein einziges Wort. Ich nehme ausschließlich wahr. Mit meinen Augen, meinem Bewusstsein, meinem intuitiven Wissen nehme ich alles wahr, was um mich herum geschieht. Und dieses intuitive Wissen sagt mir, dieser 30.06. ist ein Datum, an dem du, Shahrukh, eine Frau heiraten willst ...
Nun drehe ich mich zu dir um und gehe langsam auf dich zu. Ich betrachte dein Gesicht, doch immer noch beachtest du mich nicht. Ein wenig von mir abgewandt, starrst du noch immer ernst und angespannt, mit leicht gesenktem Blick auf den Boden, rührst dich kaum. Du siehst genauso aus wie in deinen Filmen, trägst einen grauen Anzug. Doch für mich sitzt da nicht der große, mir unbekannte Superstar. Und auch du weißt ganz genau, wer ich bin. Alles an dir erscheint mir so vertraut und unsere Begegnung scheint wie selbstverständlich. Doch dieses Treffen gefällt dir nicht, ich sehe, wie unwohl du dich fühlst. Spüre, wie du dich innerlich windest ...
Der Junge sitzt immer noch an deiner Seite, sagt nichts, schaut mich einfach nur aufmerksam, ja, fast prüfend an ...
Als ich bei dir bin, hocke ich mich vor dir nieder und stütze meine Ellbogen auf deine Knie. Ohne dich anzusehen, lege ich mein Gesicht in meine Hände, schaue nach links und überblicke ein riesiges Feld, das vorher noch nicht da war. Aber ich entdecke darauf nichts weiter als viel vertrockneter, aufgesprungener Erde - salzwüstengleich - und ein paar halb vertrockneter Grasbüschel … Während ich es ruhig betrachte, steht der Junge wortlos auf und verlässt uns wieder.
Ich habe jetzt das Gefühl, als sei ich nicht nur ich selbst, sondern gleichzeitig auch du. Es ist, als sei dein Gesicht mit meinem vereint, und ich spüre ganz deutlich die Form deiner Nase über meiner eigenen. Ich nehme es wahr, aber es erscheint mir weder ungewöhnlich noch seltsam. Wir verharren für eine Weile still in dieser Position, doch ohne Vorwarnung stehst du unvermittelt und mit Bestimmtheit auf. Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich ebenfalls zu erheben. Und ohne mich auch nur eines einzigen Blickes zu würdigen, lässt du mich stehen und gehst an mir vorüber. Doch im Begriff mich zu verlassen, sprichst du das erste Mal zu mir. Ernst sagst du nur einen einzigen Satz: „Das ist nicht gut ...“
Dann bist du verschwunden … Wohin? Ich weiß es nicht. Ich schaue dir nicht nach. Aber ich weiß in diesem Moment ganz sicher, warum du so reagiertest: Da ist eine andere Frau im Spiel ...!
In der nächsten Sekunde stehe ich mit dem Rücken dem Ausgang zugewandt. Mein Gesicht in meine linke Hand gestützt, stehe ich in dem Bewusstsein dort: Du bist fort, das war es jetzt! Aber dennoch habe ich keine besondere Emotion in mir. Und obwohl ich glaube, du hast mich verlassen, scheint mich das Alles nicht sonderlich zu berühren. Doch empfinde ich wirklich gar nichts? Ist da nicht vielleicht doch irgendwo so was wie eine gewisse Trostlosigkeit? Tief in mir verborgen ein leises Verlustgefühl, das da mitschwingt? Kaum wahrnehmbar. Irgendwie weiß ich jetzt nicht, wie es weitergehen soll. Ich habe verloren und du bist gegangen, Shahrukh.
Wieder verstreichen Sekunden ...
Doch überraschend plötzlich bist du wieder da. Ich habe dich nicht kommen hören und bin vor Erstaunen wie gebannt, als ich deine Nähe unerwartet hinter mir spüre. Und völlig unfähig mich zu rühren, kann ich mich jetzt nur noch in das fügen, was kommt ... Dein Verhalten hat sich vollkommen gewandelt, ist jetzt überschwänglich, beinahe leidenschaftlich. Du legst deinen rechten Unterarm hinter meinen Nacken. Deine linke Hand greift nach meiner Schulter, du stehst jetzt ganz dicht hinter mir. Deine erklärenden Worte sprudeln nur so aus dir heraus und du beginnst: „Vergiss, was ich dir gerade gesagt habe, es ist nicht wichtig.“ Du redest auf mich ein, doch die meisten deiner Worte werden mir nicht in Erinnerung bleiben. Aber sie wollen mir Mut zusprechen, und sie machen deutlich, du konntest mich nicht verlassen. Du hast es einfach nicht übers Herz gebracht wirklich zu gehen. Deine letzten Worte: „Aus diesem Ding kommen wir sowieso nicht mehr raus, du nicht und ich auch nicht.“
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| S e i t e n z a h l : |
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| A u t o r I n : |
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