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Der Zweck heiligt die Mittel
Religion & Esoterik
Geschrieben von Günther Rudolf   

E x p o s é :

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Frauen unter der Folter
Tausende von Kapitalverbrechen im Namen der Kirchen
Was in diesem Sachbuch geschildert und untersucht wird, sind die Ma¬chenschaften der sogenannten heiligen Inquisition, wie sie ehrbare, christliche und brave Frauen zu Hexen machten. Hexenverfolgung = Frauenverfolgung. Untersucht wird die Men¬schen¬jagd während des auslaufenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit. Frauenverfolgung nenne ich die Hexenverfolgung hier mit Fug und Recht, denn es wurden zum weit überwiegenden Teil (fast zu 90 %) Frauen verfolgt. Die Hexenverfolgung zielte in Wahrheit in erster Linie auf die Verfolgung von Frauen ab. Die wenigen Männer, die als Zauberer verfolgt wurden, hatten nichts als Alibifunktion. – Unterstützt werden die Ausführungen durch mehr als 75, meist zeitgenössische, Abbildungen.

L e s e p r o b e :

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

 

  

  

  

  

  

  

  

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 


  

  

     

  

  

  

  

  

  

  

 

  

  

 

  

  

  

  

  

  

  

  

 

  

  

  


  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

 

  

    

  

  

  

  

 

 


Frauen unter der Folter

Tausende von Kapitalverbrechen im Namen der KirchenInhaltsverzeichnis
I. Geschichte der Hexenverfolgung S. 5
II. Geschichte der Inquisition S.20
III. Die Menschenjagd - Frauenjagd - Hexenjagd S.32
IV. Hexenwahn S.45
V. Die Verfolgten S.56
VI. Verfolgung und die Zahl der Opfer S.84
VII. Denunziation S.88
VIII. Verwahrung der Hexen während des Verfahrens S. 95
IX. Zeugenvernehmung S.107
X. Untersuchungsverfahren – Inquisition S.110
XI. Ordalien S.136
XII. Hexenhammer S.155
XIII. Die Folter S. 174
XIV. Geständnis und Besagung S. 232
XV. Die unschuldigen Opfer S. 245
XVI. Das Geschäft, die finanzielle Seite S. 249
XVII. Das Urteil S. 254
XVIII. Strafvollzug - Hinrichtung S. 260
XIX. Gegner der Hexenverfolgung S. 268

I. Die Geschichte der Hexenverfolgung

Hexenverfolgung = Frauenverfolgung. Untersucht wird die Men¬schen¬jagd während des auslaufenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit. Frauenverfolgung nenne ich die Hexenverfolgung hier mit Fug und Recht, denn – worauf ich noch genauer eingehen werde – es wurden zum weit überwiegenden Teil (fast zu 90 %) Frauen verfolgt. Die Hexenverfolgung zielte in Wahrheit in erster Linie auf die Verfolgung von Frauen ab. Die wenigen Männer, die als Zauberer verfolgt wurden, hatten nichts als Alibifunktion, was allein schon daraus erhellt, dass selbst die verurteilten Männer viel seltener mit letzter Konsequenz verbrannt wurden, sondern sehr oft zu milderen Strafen begnadigt worden sind, wie Freiheitsstrafen oder Tod durch das Schwert.
Die Menschen glauben seit eh und je an Zauberei und Hexen. Das sagt schon die Bibel:
„Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen.“ (Bibel: 2.Mos/Ex 22,17).
Bezeichnenderweise ist schon hier nur von der weiblichen Form (Hexe, nicht Hexer oder Zauberer) die Rede. Ent-weder traute man zu biblischen Zeiten solche Schandtaten nur den Frauen zu, was bei der Frauenfeindlichkeit der Bibel sowohl im Alten als auch im Neuen Testament nicht verwunderlich wäre oder aber man wollte die Zauberei – was noch schlimmer wäre - allein als ein Privileg den Männern vorbehalten. Aber tat-sächlich war wohl die Zauberei zu biblischen Zeiten auch den Männern verboten, das ergibt sich aus den folgenden beiden Bi¬bel¬zitaten:
„Ihr sollt nicht Wahrsagerei noch Zauberei treiben.“ (Bibel: Le¬vi¬tikus 19,26).
„Es soll bei dir keinen geben, ... der zaubert, ...“ (Bibel, Deu¬te¬ronomium 18,10).
In diesen beiden weiteren Bibelstellen ist das Verbot der Zauberei nicht mehr nur auf die Frauen beschränkt. Mit der Androhung der Todesstrafe – „sollst du nicht am Leben lassen“ – lässt sich schon aus der Bibel die unmenschliche und brutale Hexenverfolgung, wie sie sich gegen Ende des Mittelalters und anfangs der Neuzeit in Europa und insbesondere in den deutsch¬sprachigen Ländern in den schrecklichsten Formen austobte, rechtfertigen. Was die Inquisitoren der Kirchen damals an Verfolgungen unschuldiger Menschen, besonders Frauen, und an Mordtaten verübten, findet seinen Fürspruch und seine Rechtfertigung in dem angeblichen „Wort Gottes“. Denn das, was in der Bibel geschrieben steht, ist nach noch heutiger, kirchlicher Ansicht von „Gott offenbart“ und „unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden. Die Bücher der Bibel sind sicher, getreu und ohne Irrtum geeignet die Wahrheit zu lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte.“ (Feststellung des II. Vatikanischen Konzils vom Jahre 1965)
„Seine Bücher [die des Alten Testamentes der Bibel] sind von Gott inspiriert und behalten einen dauernden Wert ...“ („Katechismus der katholischen Kirche“ des Papstes Johannes Paul II.)
Die Zaubereisünden und ihre Folgen beurteilte die Kirche keineswegs immer gleich. Ursprünglich wurde der weit verbreitete Glaube an Wahrsagerei, Schadenszauber und Wetterma¬cherei nur von der Kirche und von dieser auch nur als sündhaft bekämpft. Die Todesstrafe ist für Zaubereisünden zunächst, trotz der biblischen Vorgabe, ja Aufforderung hierzu, nicht vorgesehen. Zauberei wurde anfänglich, ähnlich wie die Ketzerei, meist nur mit Kirchenstrafen (Bußgebeten, Bu߬auflagen, Geldstrafen und im schlimmsten Falle der Exkom¬munikation) belegt. Wohlgemerkt, die Kirche war in den Zeiten vor der eigentlichen Hexenverfolgung ungewohnt fortschrittlich: Nicht die Zauberei wurde verfolgt, denn man hatte schon damals durchaus erkannt, dass es eine solche nicht geben kann; bestraft wurde vielmehr der Glaube an die Zauberei. Zauberei selbst wurde für unmöglich gehalten, weshalb man nicht die Zauberei unter Strafe stellte, sondern diejenigen, welche den Glauben daran verbreiteten. Dieser Standpunkt der Kirche war eigentlich verwunderlich, wo doch die Bibel offensichtlich von der Existenz von Zauberei und Hexen ausgeht. Die Kirche hat damals mit ihrem Standpunkt die Bibel in Frage gestellt, wenn sie etwas leugnet, was das Buch der Bücher als selbstverständlich voraussetzt? Wie schön, wenn es dabei geblieben wäre, aber die Kirche war auch zu Rückschritten fähig, wenn ein solches Mittel den Zweck heiligte. Und hier war es ein sehr großer Schritt, den sie zurückging.
Der heilige Bonifatius (geb. 672/673, gest. 5.6.754), im Jahre 719 von Papst Gregor II. mit der Germanenmissionierung beauftragt, bezeichnete den damals durchaus weit verbreiteten Glauben an Hexen und Dämonen lediglich als „unchristlich“. Man ging in der Kirche noch vernünftigerweise davon aus, dass Gott so etwas Böses und Frevelhaftes niemals zuließe.
Auf der heiligen Synode (Versammlung der Bischöfe) im Jahre 785 zu Paderborn wurde sogar beschlossen: „Wer vom Teufel verleitet nach heidnischem Glauben behauptet, dass es Hexen gäbe und sie gar noch auf dem Scheiterhaufen verbrennt, der wird mit dem Tode bestraft.“ Es sollte also keineswegs die Hexerei und die teuflische Magie bekämpft werden, sondern allein der Glaube daran. Man wollte den Glauben an die Hexen und die Hexerei unterdrücken; eigentlich sehr vernünftig und fortschrittlich, denn man wollte das Übel an seiner Wurzel packen und vernichten. Auch hier: Nicht die Zauberei wurde bestraft, Die Kirche hatte in ungewohnter Klarsicht schon erkannt, dass es diese nicht gab und nicht geben konnte. Bestraft werden diejenigen, welche den (Irr-) Glauben an Zauberei und Hexen verbreiteten. Diese Weisung der Synode wurde von Kaiser Karl dem Großen in den bischöflichen Kanon von Ansyra übernommen. Es wurde angeordnet, dass die Bischöfe alle aus der christlichen Gemeinschaft auszuschließen hätten, die an teuflische Magie und den nächtlichen Flug von Hexen glaubten. Kaiser Karl der Große verbot auch in dem von ihm eroberten, unterjochten und zum Christentum bekehrten Sachsen jegliche Hexenverbrennungen.
Die Todesstrafe war bis zum 11. Jahrhundert für Zaubereisünden noch nicht vorgesehen. Bestraft wurde tatsächlich nicht die Zauberei, sondern der Glaube daran und die Verbreitung dieses Glaubens. Es wird sich zeigen, wie sehr sich die Kirche hier noch im Kreis drehte.
Im sogenannten alten Recht (ius antiquum) der christlichen Kirche gab es für Jahrhunderte gültige kirchliche Rechts¬ver¬ord¬nun¬gen. Eine davon war (um 906) der „canon episcopi“, worin festgehalten wird: Luftfahrten von Frauen und Verwandlung von Menschen in Tiere sind Vorspiegelungen des Teufels oder Wahn-vorstellungen, jedenfalls gibt es dergleichen nicht. Be-zeichnend dabei ist, dass selbst im „canon episkopi“ der Geset¬zestext schon auf „Frauen“ festgelegt war. - Es gab zwar schon erste Aussagen von Frauen, die auf Tieren geritten, durch die Lüfte geflogen sein wollen und die vom Satan verführt worden seien. Aber die Kirche ging noch richtiger- und vernünftigerweise davon aus, dass man diese Frauen nicht bestrafen könne, weil sie die Fähigkeiten, die sie behaupteten, einfach nicht haben konnten.
Neben anderen vertritt um das Jahr 1020 der Corrector und Medikus Burkhard von Worms auch diese Meinung in seiner Beichtanweisung, wo er erklärt, der Glaube an Hexerei sei Aberglaube und habe teuflischen Ursprung. Er müsse bekämpft werden und nicht die Hexen, denn sie hätten in Wahrheit die ihnen angedichteten Fähigkeiten nicht, könnten sie nicht haben.
Mit dem Aufkommen und der Verbreitung ketzerischer Sekten in fast allen europäischen Ländern zu Beginn des zweiten Jahrtausends, geben Kirche und Papst ihre bisherige Haltung zum Hexenglauben auf, wenden sich um 180° und gestehen die Existenz von Hexen und Zauberei ein. Wenn es bislang als Ketzerei galt, an Hexerei zu glauben, so war es jetzt gerade um¬gekehrt: Es galt als ketzerisch, den Hexenglauben zu ver¬leugnen. So viel zur päpstlichen Unfehlbarkeit! Nun ja, man muss es verstehen, die Päpste galten um die erste Jahr-tausendwende noch als fehlbar, jedenfalls war ihre Unfehlbarkeit noch nicht erkannt und schon gar nicht zum Dogma erhoben. Die Kirche, die sich damals auf dem höchsten Stand ihrer Macht wähnte, glaubte, um sich diesen Bestand zu sichern, Ketzer und Zauberei verfolgen zu müssen und um das tun zu können, war sie gehalten, sowohl die Existenz von Hexen als auch die von Dämonen und die Möglichkeit von Zauberei anzuerkennen. Man konnte nicht gut etwas verfolgen, was es nicht gab. Wieder einmal galt das heimliche Dogma der Kirche: Der Zweck heiligt die Mittel. Da man die nicht vorhandenen Hexen zur Volksverdummung brauchte, erfand man sie. Damit begannen, wenn auch zunächst nur vereinzelt, Prozesse mit dem Vorwurf der Anklage: Zauberei.
Was war der Grund für diese Aufgabe des bisherigen Standpunktes? Der Gründe gab es mehrere:
1. Zunächst einmal war es ein klarer Rückschritt statt Fortschritt. Die Kirche hatte erkannt, dass es Hexen nicht gab, nicht geben konnte und dass Frauen, die glaubten Hexeneigenschaften wie Fliegen auf einem Besen u. a. zu haben, sich solche Eigenschaften nur einbildeten, sei es um anzugeben oder einfach, weil sie verrückt waren. Das war der Fortschritt, denn auch wir heute wissen natürlich, dass es keine Hexen gibt. Der Rückschritt war: Die Kirche bestreitet nicht mehr die Existenz von Hexen. Statt fortzuschreiten, ging die Kirche einen großen Schritt zurück. Sonst war sie nur konservativ, beharrte auf den Überlieferungen, dem überlieferten Wissen, ohne Neuerungen und neue Erkenntnisse anzuerkennen. Damals aber war sie nicht nur konservativ, sondern sogar rückschrittlich. Sie ließ die fortschrittliche Erkenntnis, dass es keine Hexen gebe und geben konnte, fallen und anerkannte die tatsächliche Existenz von Hexen. „Der Zweck heiligt die Mittel!“
2. Ein Grund waren auch die damals vorhandenen sogenannten „Weisen Frauen“ oder „Kräuterfrauen“. Ur¬sprüng¬lich in germanischer Zeit war die Frau der Alleinherrschaft des Mannes unterstellt und hatte keinen anderen Stand als den von Kindern und Sklaven. – Im frühen Mittelalter wurde die Frau vom Besitz des Mannes zur Person. Vom Rechtsverkehr war sie zwar nach wie vor ausgeschlossen und der Sachsenspiegel spricht ihr sogar die Prozessfähigkeit ab. – Im Hochmit¬telalter wurde die Frau immer mehr anerkannt als Versorgerin des Haus¬haltes und als Helferin des Männern bei dessen Arbeit. Frauen konnten sogar Gehilfinnen des Mannes im Handwerk sein und im 14. Jahrhundert wurden Frauen unter anderem als Meisterinnen in den Zünften aufgenommen. Man schätzt, dass damals Frauen in etwa 200 verschiedenen Berufen tätig waren. Diese Steigerung der Aufgaben der Frauen des Mittelalters hob natürlich enorm ihr allgemeines Ansehen. Dann aber trat im 15. Jahrhundert eine grundlegende Wandlung dadurch ein, dass die Frauen aus dem öffentlichen Leben nach und nach wieder verdrängt wurden. Durch gesetzliche Regelungen wurde die Frauenarbeit außerhalb des Hau¬ses immer mehr eingeschränkt, bis als Folge davon die Frauen um das Jahr 1600 fast vollständig aus dem Berufsleben vertrieben waren. Hand in Hand mit dieser immer größer werdenden Gering¬schät¬zung der Frauen erfolgte durch die Kirche eine ständige Abwertung des weiblichen Geschlechtes. Schlie߬lich sah man sie nur noch als eine Art biologi¬scher Wesen an, ausschließlich bestimmt und gebraucht für die Zeugung, das Austragen und Gebären, also gleichsam für die Erhaltung der Menschheit. Die Frauen, besonders die sogenannten „Weisen Frauen“, waren damals die kundigen Frauen, welche mit ihrem Kräuter- und Heilwissen in der Lage waren, den Leidenden und Kranken zu helfen und das mit sehr gutem Erfolg. Sie besaßen uraltes Können und Wissen, das sich immer wieder von Mutter zu Tochter und von Generation zu Generation vererbte und stets durch neue Erfahrungen und Erkenntnisse ergänzt wurde. Was die Weisen Frauen taten, versuchten die Priester mit Gebeten zu erreichen. Wer den größeren Erfolg hatte, liegt auf der Hand. Wer wurde neidisch auf den guten Erfolg der Weisen Frauen? Aus Konkurrenzdenken und weil die Frauen mit ihren besseren Erfolgen in der Krankenversorgung die Priesterschaft mit ihren sinnlosen Gebeten blamierten und als unglaubwürdig hinstellten, wurde die Unterdrückung der Frauen in den Kirchen gepredigt und das führte letztendlich bis hin zur Verfolgung und schließlich Verbrennung von Frauen. Die Priester erklärten die besseren Erfolge der Kräuter- und Weisen Frauen für Teufelswerk und die Frauen für die Handlanger des Satans. Ein Beispiel: Die Priester beteten an der Wiege eines rachitischen Säuglings und zur besonde¬ren Unterstützung ihres Gebetes legten Sie gar noch ein Gebetsbuch zu dem Kind in die Wiege, um dadurch die Kraft ihres Gebetes zu steigern. Die Weisen Frauen hatten längst erkannt, dass Rachitis eine Mangelerkrankung und Folge der damals weit verbreiteten Armut war und sorgten dafür, dass die daran erkrankten Kinder besser und vitaminreicher ernährt wurden. Das Kind bekam von dem priesterlichen Gebetbuch im Bett höchstens Druck¬stel¬len am Körper und sein Zustand wur¬de immer be¬droh¬licher, während das von der Weisen Frau behandelte Kind alsbald auflebte und langsam gesundete. – Ein anderes Beispiel, dass die Kirche gegen jegliche Volks-medizin war, hat sich in einer Anweisung des Kurfürsten Maximilian I. von Bayern niedergeschlagen: Der ehema¬lige Jesuitenschüler verbot in seinem Regierungsbereich sämtliche Bräuche der Volksmedizin, u. a. zum Beispiel das Baden am Weihnachtsabend, das gegen Fieber und Zahnschmerzen wirken sollte. Das Baden am Weih¬nachtsabend mag nicht gegen Fieber oder Zahn¬schmer¬zen geholfen haben, jedoch war es ein Akt der damals sehr im Argen liegenden Hygiene. Die Weisen Frauen predigten im Gegensatz zu den Ansichten der Kirche Hygiene und rieten zum regelmäßigen Baden und das nicht nur am Weihnachtsabend. Der von der Richtigkeit der kirchlich engstirnigen Irrlehren überzeugte Regent ver¬bot die Befolgung solcher Rat¬schlä¬ge der Weisen Frauen.
3. Ein weiterer Grund für die erbarmungslose Verfolgung von Frauen (auch Kindern und einigen wenigen Männern) durch die kirchliche und die weltliche Justiz war die von Theologen und Juristen verbreitete Vorstellung von einer vom Teufel inszenierten Verschwörung gegen das Christentum und gegen die Kirche. Diese Verschwörung, so verbreiteten die Vertre¬ter der Kirche wider besseres Wissen, bestünde meist aus weiblichen Mitgliedern, die man ohne viel Federlesens zu Hexen erklärte und als solche gnadenlos verfolgte und auszurotten versuchte.
4. Ein weiterer Grund war die Arbeitslosigkeit und die versiegenden Geldeinnahmen der Dominikaner: Als die Verfolgung der Ketzer „erfolgreich“ abgeschlos¬sen war, die Häretiker waren fast alle umgebracht, schien die Arbeit der Inquisitoren getan und was ganz besonders für diese bedauerlich war, den Dominika¬nern ging eine über¬aus fleißig sprudelnde und ergie¬bige Einnahmequelle verloren, denn das Vermögen der ermordeten Ketzer verfiel an den Dominikaneror-den. Nach der Vernichtung der Ketzer war die Inqui¬sition und mit ihr der Dominika¬nerorden arbeitslos geworden und sie hatten ihre beste Ein-nahmequelle verloren. Doch diese Besorgnisse erle¬digten sich bald wie von selbst, als man quasi als Ersatzbefriedigung ihrer Geldgier die Hexen erfand und diese verfolgen konnte. Die Dominikaner hatten wie¬der etwas zu tun und ihre Geldeinnahmen flossen wieder wie eine ergiebige Quelle.
Zum besseren Verständnis ein paar Worte zu diesen Ketzersekten:
Als Beispiel dieser Sekten sei der Manichäismus genannt, eine von einem Mann namens Mani (geb. etwa 215, gest. etwa 276) im Jahre 242 gegründete Religionsgemeinschaft. Er predigte in Persien und kam bis nach Indien und soll unter König Bahram I. gekreuzigt worden sein. Der Manichäismus ist aus dem babylonischen Gnostizismus herausgewachsen und war eine mit christlichen Vorstellungen durchsetzte Religionsform. Er geht von zwei Grundwesen aus, einem Guten im Reich des Lichts und einem Bösen im Reich der Finsternis. Durch die Vermischung von Licht und Finsternis sei die Welt entstanden. Der Mensch selbst sei durch eine Vermischung von Licht und Materie geschaffen worden. Dieser sogenannte Dualismus, diese Zweiheitslehre von zwei Gottwesen, einem guten und einem bösen, findet sich auch in anderen Abspaltungen vom Christentum wieder, zum Beispiel auch bei den Katharern (böser Gott des Alten Testamentes und guter Gott des Neuen Testa¬men¬tes) und bei den Albigensern, einer Abspaltung von den Katharern, die sich nach der französischen Stadt Albi benannten; sie vertraten eine radikale, dualistische Anschauung von einem guten und einem bösen Gott. Die Ketzerbewegung der Katharer hatte sich um das Jahr 1143 vom Balkan ausgehend bis nach Südeuropa ausgebreitet.
Alle diese Ketzerbewegungen hatten jedoch eines, was den christlichen Pfaffen im Dorn im Auge war: Sie und Ihre Sektenführer lebten in Bescheidenheit im Gegensatz zu dem wohlgefälligen, ja wollüstigen Lotterleben der damaligen christlichen Priester, die dem Trunke und der Hurerei ergeben waren, den Herrgott einen guten Tag sein ließen und sich nicht oder nur wenig um die ihnen anvertrauten Gemeinden kümmerten, es sei denn darum, dass sie die armen Bauern zu Abgaben an sich selbst drängten und diese Abgaben bestanden in Barem, in Feldfrüchten und jungfräulichen Mädchen. Tatsächlich lebten die Priester auf Kosten ihrer Gemeinden in Saus und Braus und führten ein keineswegs gottgefälliges Leben, wie es ihnen angestanden hätte. Die Pfarrhäuser wurden vielerorts zu Hurenhäusern, zu Trinkhallen und zu Vergnügungsstätten der örtlichen Pfarrherren. Dies erweckte den Zorn und die Wut der armen Leute, die sich verprellt fühlten und scharenweise diesen sogenannten Ketzerbewegungen zuliefen. Die Kirche und der Klerus hat allein den Grund für diese Abspaltungen vom Glauben gesetzt und die Ursache für den Verlust allen Ansehens der christlichen Geistlichkeit gesetzt.
*
Im Jahre 1090 scheint die erste Verbrennung von Hexen in Deutschland und zwar in Freising in Bayern erfolgt zu sein. Man nannte die Hexen damals noch „Wettermacherinnen“. Dieses Verbrechen erfolgte allerdings sogar gegen den Protest der Kirche, die zwar auch für die Bestrafung der drei Frauen war, sie hielt aber Kirchenstrafen für ausreichend. Die Kirche wollte die Hinrichtung dieser drei Frauen nicht akzeptieren und bezeichnete sie, nachdem sie geschehen war, gar als „Märtyrerinnen“. Dieses Ereignis war auch noch kein Phänomen im Rahmen der beginnenden Hexenverfolgung, sondern sie hatte ihren Hintergrund in der Kirchenpolitik, sie hing tatsächlich mit der seinerzeitigen Besetzung des Bischofssitzes in Freising, die sehr umstritten war, zusammen. Diese Besetzung des Bischofsstuhls brachte ein gewisse Verunsicherung in der Bevölkerung, die schließlich mit der Hinrichtung dreier Frauen - gleichsam als „Sündenböcke“ oder in diesem Falle „Sündenschafe“ - auf dem Scheiterhaufen endete. Da¬durch gelangte Freising in den fragwürdigen Ruf, die erste Kommune in Deutschland zu sein, welche Hexen verbrannte. Dort wurde schon im Jahre 1090 das vorweggenommen, was Jahrhunderte später in den Hexenprozessen an der Tagesordnung sein sollte: Ein bloßer Verdacht auf Zauberei genügte, unschuldige Frauen zu foltern und ihnen unter der Tortur unwahre, meist vorgesagte Geständnisse zu erpressen. Auch den drei Frauen aus Freising blieb letztendlich nichts anderes übrig, weil sie die unmenschlichen Schmerzen der Folter nicht länger ertragen konnten, alles Mögliche zuzugeben, besonders das, was die Folterknechte von ihnen hören wollten.
Etwa ab dem Jahre 1150 wird die qualvolle Verbrennung von Menschen auf dem Scheiterhaufen die übliche Strafe für Ketzer. Bis dahin wurden Ketzer mit Kirchenstrafen belegt (Verweige¬rung der Sakramente, öffentliche Kirchenbuße) oder durch die Beschlagnahme ihres Besitzes bestraft, auch wurden manche enthauptet, aufgehängt, gepfählt oder gekreuzigt. Ein eigenes Hexenverfahren kannte man noch nicht. Die ersten Hexenprozesse wurden im Ketzerverfahren geführt.
Im 3. Laterankonzil in Rom im März 1179 wurden die in Südfrankreich lebenden Katharer in einem Rundumschlag allesamt exkommuniziert und die weltlichen Mächte zur rücksichtslosen Bekämpfung aller Ketzer aufgefordert. Damit begann die gnaden- und rücksichtslose Verfolgung der Ketzer. Die Religionsfreiheit war noch nicht erfunden.
Ebenfalls im Jahre 1179 entsteht die Sekte der Waldenser mit ihrem strengen Biblizismus. Sektengründer war der Lyoner Kauf¬mann Waldenser. Bereits fünf Jahre nach ihrer Gründung, im Jahre 1184 wird auch über die Waldenser die Exkommunika¬tion verhängt.
Nur zwei von diesen Ketzerbewegungen wuchsen zu großen Religionsrichtungen heran; die Katharer, welche sich die „Reinen“ nannten (von ihnen leitet sich vermutlich das Wort \"Ket¬zer\" ab) und die Waldenser. Beide spielten genau genommen für die Entstehung des Hexenwahns seitens der Kirche, wenn auch völlig ungewollt, eine ausschlaggebende Rolle.
Die Katharer und die Waldenser unterschieden sich in den Glau¬bens¬fragen ganz erheblich voneinander, sie hatten aber eines gemeinsam und das war natürlich den Kirchenfürsten der größte Dorn im Auge: Sie zweifelten nicht nur an der Richtigkeit der geltenden kirchlichen Lehre, sondern sie verurteilten insbeson¬dere das Wohlleben und die Sittenlosig¬keit von Päpsten, Bischöfen, Priestern und Mönchen zur damaligen Zeit, wovon Otto von Corvin in seinem erstmals 1845 erschienenen „Pfaffenspiegel“ ein sehr mutiges und deutliches Bild gezeichnet hat. Die Katharer und Waldenser selbst lebten ihren Gläubigen ein ganz anderes Leben vor und verlangten dies auch von ihren Anhängern: ein Leben in Frömmigkeit, Einfachheit und Nächstenliebe. Da viele Leute aus der Bevölkerung von der Sittenlosigkeit der Pfaffen bis hinauf in die höchsten Chargen angewidert waren, wandten sich damals viele Menschen den Katharern und den Waldensern zu und deren Anhängerschaft wuchs ständig, besonders in Südfrankreich und Nord¬italien.
Um die Jahrhundertwende vom 12. zum 13. Jahrhundert waren die Katharer zu einer mächtigen Religionsgemeinschaft heran¬ge¬wachsen. Die Kirche musste mit Entsetzen erleben, wie sich immer mehr Menschen von ihr ab- und den Katharern zuwandten. Zunächst versuchte Rom mit einem gesteuerten Predigtfeldzug noch zu retten, was man zu retten hoffte, aber das war längst vergebens. Der Versuch, die verlorenen Gläubigen zurückzugewinnen, scheiterte kläglich. So griff die Kirche zur Ge¬walt, zu dem Mittel, das sie immer dann anwendete, wenn sie im Unrecht war. Begleitet von einem päpstlichen Abge¬sandten, der die Macht der Kirche durchsetzen sollte, verwüstete ein französisches Ritterheer die Katharer-Gebiete im Süden Frankreichs und brachte unzählige von diesen Christenmen¬schen gnadenlos um.
Man nannte es einen „Kreuzzug“ - für was das Kreuz von Golgatha nicht alles herhalten muss? -, ein völlig falscher Begriff für diesen Vernichtungskrieg gegen christliche Brüder, der mit unglaublicher Brutalität geführt wurde und zwanzig Jahre (1209 - 1229) andauerte. Kreuzzüge sind die von den christlichen Völkern des Abendlandes seit Ende des 11. bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts gegen die Heiden, speziell die mohammedanischen Völker unternommenen Kriegszüge zur Erobe¬rung Palästinas. Dieser sogenannte Kreuzzug war kein Feldzug gegen Heiden oder Mohammedaner, sondern ein solcher gegen Christen. Er diente auch keineswegs der Eroberung der heiligen Stätten des Christentums in Paläs¬tina, sondern er war ein Vernichtungsfeldzug gegen christliche Brüder und Schwestern, die lediglich von den Glaubenslehren der Kirche - und dies aus unserer heutigen Sicht zum Positiven hin - abgewichen waren. Die Folgen dieses brutal geführten Feldzu¬ges waren für die unterlegenen Katharer eine Katastrophe, denn sie wurden fast vollständig ausgerottet: Männer, Frauen und Kinder und das auf bestialischste Weise. Die Kirche versuchte die Gründe dieser Katastrophe zu ergründen, aber - wie immer in solchen Fällen - suchte sie die Fehler nicht bei sich:
Nicht die Kirche und ihre Vertreter hatten Fehler gemacht, denn sie sind ja, wenn auch noch nicht offiziell, so doch schon insgeheim unfehlbar. Im Süden Frankreichs musste der Teufel unter¬wegs gewesen sein. Wie schön, wenn man immer einen Sündenbock zur Hand hat. Der Satan musste seine ketzerischen Lehren unter den Katharern ausgestreut haben. Also war es höchste Zeit, umso schärfer und unerbittlicher gegen den Teufel, seine Dämonen und seine Helfershelfer vorzugehen und dazu kamen ihr die Zauberer, die Magier, die Wahrsager, Losdeuter und andere suspekte Subjekte gerade gelegen. Das war der Grund¬stein, welchen die Kirche zu der sich alsbald anschließen¬den Hexenverfolgung und zum Hexenwahn legte. Und diese Grundsteinlegung war eine der erfolgreichsten der Kirchengeschichte, erfolgreich allerdings nur im negativen Sinne, in der Anzahl der ermordeten Menschen, gläubigen Menschen, Christen.
Es war also schon während der Zeit der Ketzerverfolgung, als die Kirche ihre bisherigen Auffassungen zu der Existenz, besser Nichtexistenz von Hexen aufgab und eine sogenannte Hexen¬sekte erfand und ins Gespräch brachte. Die kirchlichen Fachleute in Sachen Dämonologie kamen auf die Idee vom Hexensabbat und dem Pakt mit dem Satan und sie entwickelten die Lehre, dass Hexen fliegen könnten. Es wurde gleichsam das Delikt der Hexerei und seine Inhalte von der Kirche erfunden, um einen Grund zu haben, unschuldige Frauen zu verfolgen. Solcher Unsinn wurde in Kirchenkrei¬sen zum Dog¬ma erhoben, man brauchte in dieser Richtung noch nicht so zimperlich zu sein, weil es die päpstliche Unfehlbarkeit ja noch nicht offiziell gab.
Als mit dem Anschlag der 95 Thesen an der Wittenberger Schlosskirche durch den Mönch Martin Luther am 31.10.1517 die Reformation ausbrach, sahen die wenigen unterdrückten Gegner der Hexenverfolgung einen Lichtstrei¬fen am Horizont. Ihre Erwartungen, ja Hoffnungen wurden herb enttäuscht, denn die Protestanten übernahmen die Gründe der Hexenverfolgung mit wenigen, nicht maßgeblichen Einschränkungen in ihr Programm auf und setzten die Verfol¬gung und Ermordung der Frauen übergangslos fort. Im Ge¬genteil, in den protestantischen Gebieten wurden die vermeintlichen Hexen oft noch zahlreicher und gnadenloser ge¬jagt und hingerichtet als in den katholischen Gegenden. Bei der Verfolgung gab es kaum tiefgreifende Unterschiede zwischen den Verfolgungen von Frauen in den katholischen Gegenden und denen in protestantischen Gebieten. Nur mit dem unmaßgeblichen Unterschied, dass hier die Dominikaner nicht das Sagen hatten, sondern dass hier die Hexenverfolgung direkt von der Obrigkeit und zwar nicht weniger barbarisch und rücksichtslos betrieben wurde.
Im Jahre 1213 beruft Papst Innozenz III. (Lotario, Graf Segni, geb. 1160/61; Papst vom 8.1.1198 bis 16.7.1216) das IV. Laterankonzil ein, welches in drei Sitzungen am 11., 20. und 30.11.1213 und 70 Kapiteln insbesondere Beschlüsse über die Haltung der Kirche gegenüber Juden und Ketzern und über die Auslegung kirchlicher Lehren fasste. Die Wichtigsten und in diesem Zusammenhang Interessierenden sind:
• Die Wesensverwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu bei der heiligen Kommunion wird zum Dogma erklärt.
• Die Vertreter von Lehren, die von den kirchlichen Lehren abweichen, werden zu Ketzern erklärt, deren Verfolgung nicht nur der Inquisition, sondern auch den weltlichen Herrschern obliegt.
• Die Trennung von Christen und Juden wird unter anderem durch Ausgehverbot für Juden in der Karwoche und sie kennzeichnende Kleidung verschärft.
In diesem Konzil wird auch verkündet, dass der Teufel wirklich existent sei. Er unterscheide sich von den ihm dienenden, niederen Dämonen. Gott habe den Teufel und die Dämonen als gut erschaffen, sie seien jedoch aus eigenem Willen schlecht geworden.
Innozenz III. führte das scheußlichste Tribunal ein, welches jemals die Menschheit schändete - die Inquisition. Wen es wundert, dass die weltliche Macht für kirchliche Angelegenheiten (Ketzerverfolgung) eingespannt wurde: Staat und Kirche waren zur Zeit des Mittelalters so eng ineinander verwoben, dass man sie fast als eine Einheit betrachten kann. Das erhellt zum Beispiel deutlich daraus, dass die Könige und Kaiser von den Kirchenoberen gekrönt wurden und sich manche Päpste sogar anmaßten, sie wieder entthronen zu können und dies auch mit Erfolg taten. Wollte der so zwangs-weise Abgesetzte nicht gehen, setze Rom ganz einfach einen Gegenkaiser ein, der dann als erste Aufgabe, den Ungehorsa¬men zu vertreiben und möglichst umzubringen hatte. Eine solche Unterwerfung unter die päpstliche Macht war auch der historisch gewordene Gang des damaligen Königs (später Kaiser) Heinrich IV. nach Canossa im Januar 1077 zu dem gerade dort weilenden Papst Gregor VII, mit welchem der König seine Bußfertigkeit bewies, um die Verzeihung des ‚Heiligen Vaters‘ zu erreichen, der den Kirchenbann über ihn verhängt hatte. Auch bei der Verfolgung von Ketzern und Hexen zeigte sich die unselige, enge Verknüpfung zwischen Staat und Kirche denn hier arbeitete die Hexenverfolgung, die Inquisition Hand in Hand zusammen mit der staatlichen Obrigkeit.
Eine Besonderheit ist England: 1534 sagte sich Heinrich VIII. vom Papst los und erklärte sich selbst zum Oberhaupt der englischen Kirche, die man heute anglikanische Kirche nennt. Seither hatte die römische Inquisition in England nichts mehr verloren, trotzdem wurde die Hexenverfolgung genau so intensiv wie anderswo auch auf den britischen Inseln betrieben. Bevor Jakob I. am 3.Apr.1603 den englischen Thron bestieg, hatte er ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Dämonologia“. Mit diesem Buch führte er seinen Landsleuten und späteren Untertanen vor, dass auch in England „ganz zweifellos Schandta¬ten des Satans praktiziert werden und dass dessen Handlanger harte Strafen verdienen.“ Mit diesem Buch brachte er den dort zu erlahmen drohenden Hexenwahn wieder in Schwung. Jakob I. rühmte sich, dass unter seiner Regentschaft mehr Menschen der Hexerei bezichtigt und erhängt wurden als unter jedem seiner Vorgänger. Es war eine wenig ehrenhafter Wettstreit zwischen den einzelnen Regenten ausgebrochen.
Infolge dieser Wiederbelebung der Hexenverfolgung erklärte sich zum Beispiel ein Mann namens Matthew Hopkins in England 1644 zum Hexenverfolger und ernannte sich selbst¬gefällig zum „Generalhexenfinder“. Er war so erfolgreich, dass schon nach zwei Jahren seines Wirkens mehr Hexen getötet wurden, als im ganzen 17. Jahrhundert. Er versprach und bezahlte den Denunzianten 30 Schillinge pro Hexe und seine Erfolge, aus den Denunzierten Geständnisse heraus¬zupressen, waren ebenso erfolgreich wie einfach und billig: Er gab seinen Gefangenen nichts zu essen und zu trinken und sorgte dafür, dass sie nicht schlafen konnten, da waren sie bald genug bereit, alles zu gestehen, was der brutale Häscher hören wollte, für eine Scheibe Brot, einen Becher Wasser und eine Mütze Schlaf. So einfach ist das! Er brauchte keine teuren Folterinstrumente und keine langwierigen Verhöre in der Folterkammer. Er brauchte nur ein wenig Geduld und Zeit, bis die durch Nahrungs-, Getränk- und Schlafentzug gequälten angeblichen Hexen alles gestanden, auch wenn es nicht der Wahrheit entsprach.

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A u t o r I n :  zur Vita von Günther Rudolf

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