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Das vergessene Gebot 2.Auflage
Religion & Esoterik
Geschrieben von Günther Rudolf   

E x p o s é :

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2. verbesserte Auflage: Ein Buch für Frauen!!!
Das Sachbuch ist eine Untersuchung der Frauendiskriminierung, die ihren Ursprung in der Bibel hat und bis in die Neuzeit fortdauert.
Wussten Sie, dass Papst Johannes Paul II. erklärt hat, dass Selbstbefriedigung bei Frauen eine Todsünde sei, sie bei Männern aber von der Kirche als notwendig geduldet wird?
Dieser und noch mehr frauenverachtende Leitsätze werden hier angeprangert. Es geht nicht nur darum, die Diskriminierungen von Frauen in Wort und Schrift aufzudecken, sondern auch die Blutspur zu zeigen, die sich durch die ganze Kirchengeschichte zieht, insbesondere auch im Zuge der frauenmordenden Hexenverfolgung des ausgehenden Mittelalters bis in die beginnende Neuzeit. Das sind Verbrechen gegen die Menschheit und die Menschlichkeit. Ich glaube nicht, dass das Gebot „Du sollst die Frauen unterdrücken!“ tatsächlich vergessen wurde. Es wurde bewusst weggelassen, weil die Absichten der Bibel sonst zu offenkundig gewesen wären.

L e s e p r o b e :

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

 

  

  

  

  

  

  

  

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 


  

  

     

  

  

  

  

  

  

  

 

  

  

 

  

  

  

  

  

  

  

  

 

  

  

  


  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

 

  

    

  

  

  

  

 

 


Kapitel III : Die Zeiten nach der Bibel

A. Hat sich etwas gebessert?
Diese Frage ist leicht beantwortet: Es hat sich nichts gebessert, jedenfalls nicht zum Vorteil der geknechteten Frauen. Zunächst die frühen Christen, aber später auch, als sich eine christliche Kirche bildete, achtete man streng darauf, dass die Frauen so unterdrückt bleiben, wie sie es im Alten Testament waren. Schon der reisende Apostel Paulus war der festen Überzeugung, dass die Frau, wie es in der Bibel geschrieben steht, allein um des Mannes Willen geschaffen sei (1.Kor 11.9). Man hielt auch die Frauen geistig viel zu minderbemittelt, als dass sie etwas zu sagen haben könnten und legte größten Wert darauf, dass sie möglichst still und schweigsam waren. 1.Tim 2.12, wo es heißt: „Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, ... son-dern sie sei still.“
Muss ich noch darauf hinweisen, dass noch im 19. Jahrhundert in der Fachliteratur bezweifelt wurde, ob die Frau überhaupt eine Seele habe. Natürlich hat noch kein Doktor eine Seele gefunden, aber die Unterscheidung hier ist von Bedeutung: Ob die Frau eine Seele habe, wird bezweifelt, was zugleich besagt, dass das Vorhandensein einer Seele beim Mann außer jedem Zweifel stehe.
Wenn man an die Frauenverfolgung zu den Zeiten der ‚Hexenjagd‘ denkt, dann wurde es nur noch schlimmer für die Frauen, denn die Hexenverfolgung machte die Frauenunterdrückung öffentlich. Die Hexenverfolgung machte allen Frauen Angst und alle zitterten vor der Inquisition. Täglich konnten die Hexenjäger an ihre Tür klopfen, denn vor ihnen war keine Frau, auch nicht die beste und frömmste sicher.
Nach der Zeitenwende wurde nichts besser für die Frauen. Die in der Bibel vorgebetete und vorgelebte Frauenfeindlichkeit war zur Unkultur des Abendlandes geworden. Im gesamten Verlaufe der Religions- und Kirchenge-schichte wurde die Frau stets als minderwertiges Geschöpf betrachtet und zwar sowohl von Natur aus, als auch von Rechts wegen.
Dazu sind eine Vielzahl mehr oder weniger, meinst weniger „wissen-schaftliche“ Stellungnahmen von Zeitgenossen zu zitieren:
1. Der Kirchenschriftsteller Tertullianus (Quintus Septimius Florens), geboren um 160 wohl in Karthago (Nordafrika) und gestorben nach 220, lebte in Karthago. Er bezeichnet die Frau in einer seiner Schriften als die „Eingangspforte des Teufels“. Er behauptete sogar, allein die Frauen seien schuld am Kreuzestod Jesu. Ein Zitat von ihm: „Der Frau steht nur Trauerkleidung zu. Sobald sie dem Kindesalter entwachsen ist, soll sie ihr gefahrbringendes Antlitz verhüllen.“ Dies ist nichts als die biblische Fortsetzung der Diskriminierung der Frauen und der Frauenfeindlichkeit, wie sie in der Bibel zum Ausdruck gebracht wird. Und noch ein Zitat aus den Schriften des Kirchenschriftstellers: „Auch die Ehe basiert auf demselben Akt wie die Hurerei. Deswegen ist es das Beste für den Mann, kein Weib zu berühren.“ Schließlich verlangt er von den Witwen, für immer einen Schleier zu tragen.
2. Clemens Alexandrinus (* um 150, † um 215): „Bei der Frau muss allein das Bewusstsein vom eigenen Wesen Scham hervorrufen.“
3. Dionysius, (der Große) 247 zum Bischof von Alexandrien gewählt († 265), schloss menstruierende Frauen vom Abendmahl aus mit der Begründung, der Empfänger des Abendmahls müsse rein an Leib und Seele sein.
4. „Die Frau muss das Haupt verhüllen, weil sie nicht das Ebenbild Gottes ist.“ Das sagte der Kirchenlehrer Ambrosius (333 od. 339 - 397) in seiner moraltheologischen Schrift „De officiis clericorum“. Er hat die Bibel nicht gelesen, sonst wüsste er, dass danach beide, Adam und Eva, zum Ebenbilde Gottes geschaffen wurden.
5. „Die Weiber sind hauptsächlich dazu bestimmt, die Geilheit der Männer zu befriedigen.“ So weiß der griechische Kirchenvater Johannes Chrysostomos (344 od. 349 - 407) zu berichten und legt daher schon als frühchristlicher Schriftsteller die kirchliche Tendenz gegen die Frauen fest. Ein weiteres Zitat von ihm: „Das ganze (weibliche) Geschlecht ist schwach und leichtsinnig. Sie finden das Heil nur durch die Kinder.“
6. Synode von Elvira im 4. Jahrhundert bestimmt: „Die Frauen dürfen im eigenen Namen Briefe weder schreiben noch empfangen.“ Und noch eine Entschließung dieser Synode: Es wurde untersagt, verheiratete Männer als Priester einzustellen. Insbesondere aber untersagte man denjenigen, welche bereits verheiratet waren, den geschlechtlichen Umgang mit ihren Ehefrauen.
7. Hieronymus, Heiliger (nach 340 - 420): „Wenn sich die Frau ihrem Mann, der ihr Haupt ist, nicht unterwirft, ist sie desselben Verbrechens schuldig wie der Mann, der sich Christus nicht unterwirft.“
Eine Schlussfolgerung dieses Kirchenvaters Hieronymus lautete: „Wenn eine Frau Christus mehr dienen will als der Welt, hört sie auf Weib zu sein und wird Mann genannt.“ Demnach sind also alle Klosternonnen Männer. Wie geht das nur? Hat der Heilige schon zu seinen Lebzeiten die Geschlechtsumwandlung für Frauen erfunden?
8. Augustinus, Aurelius, christlicher Heiliger, der Kirchenvater des Abendlandes (geb. 13. Nov. 354, gest. 28. Aug. 430) gilt als einer der bedeutendsten Kirchenlehrer. Mit dem Titel „Kirchenlehrer“ erkennt die Kirche den Beitrag von Personen zur kirchlichen Lehre und zum Verständnis des christlichen Glaubens an. Augustinus hält die Frauen für minderwertige, drittklassige Wesen, die auf keinen Fall Ebenbilder Gottes sein könnten. Sie seien dazu geschaffen und es entspräche der natürlichen Ordnung, dass die Frauen den Männern dienen. Man wird an Paulus erinnert! Dass auch die Frauen Ebenbilder Gottes sind, ergibt sich aus dem Wortlaut der Bibel, den Augustinus offenbar auch nicht nachgelesen hat: Als Mann und Frau schuf Gott den Menschen und als sein Abbild (Gen. 1,27).
Augustinus, der die Erbsünde „entdeckt“ hat, stellte fest, dass die Erbsünde beim Sexualakt weitergegeben werde, sodass alle Menschen, die sexuell rege sind, zu Schuldigen und Sündern werden. Augustinus selber hielt sich übrigens ein Kebsweib, die ihm im Jahre 372 einen demnach erbsündigen Sohn schenkte.
Und noch einmal Augustinus: „Es ist die natürliche Ordnung unter den Menschen, dass die Frauen ihren Männern und die Kinder ihren Eltern dienen, denn die Rechtmäßigkeit liegt in dem Prinzip, dass der Geringere dem Größeren dient. Dies ist die natürliche Gerechtigkeit, dass der schwächere Verstand dem stärkeren diene. Dies ist daher die offensichtliche Gerechtigkeit in der Beziehung zwischen Sklaven und ihren Herren, dass die an Verstand Überragenden auch die überragende Macht haben (Fragen zu Heptateuch, 1.Buch).
9. Von der fränkischen Synode von Macôn (585) berichtet Gregor von Tours in seiner „Historia Francorum“, ein namentlich nicht bekannter Bischof habe dort behauptet, die Frau könne nicht als Mensch bezeichnet werden.
10. II. Synode von Toledo (589): „Priester, die Frauen beherbergen, die Verdacht erregen, sollen bestraft werden. Die Frauen aber soll der Bischof in die Sklaverei verkaufen.“
11. Der Heilige Bonifatius (um 675 - 754): „Frauen dürfen in der Kirche nicht singen.“
12. Die Synode von Paris im Jahre 846 stellt die Forderung auf: „Wo sich ein Priester aufhält, darf kein Weib eintreten.“
13. Der heilige Odo von Cluny (878 – 942) fragt sich: „Es würde nur Erbrechen verursachen, Weiber anzuschauen. Da wir nicht einmal mit den äußersten Fingerspitzen Kot und Schleim anrühren, warum begehren wir so eifrig das Schmutzgefäß selbst zu umfassen?“
14. Synode von Coyaca im Jahre 1050: „In der Nähe der Kirche dürfen keine Frauen wohnen.“
15. Anselm von Canterbury, Heiliger (1033 - 1109): „Nichts Schändlicheres gibt es als das Weib, durch nichts richtet der Teufel mehr Menschen zugrunde als durch das Weib.“
16. Der Kamaldulensermönch Gratian lebte in Bologna und verfasst um 1145 ein nach ihm „Decretum Gratiani“ be¬nann¬tes kanonistisches Werk, das den ersten Teil des Corpus juris canonici bildet. Er stützte sich auf die Bibel und forderte die grundsätzliche Subordination der Frauen unter den Mann: „Das Weib ist nicht nach Gottes Ebenbild erschaffen ... Daher begreift man, warum das Gesetz es gewollt hat, dass die Frauen ihren Männern untertan und die Gattinnen beinahe die Mägde ihrer Männer sind ... Es ist klar, dass die Frau unter der Herrschaft des Mannes steht, dass sie keinerlei Autorität besitzt, dass sie weder lehren noch Zeuge sein, weder ihr Wort verpfänden noch Recht sprechen kann.“
17. Der Heilige Franz von Assisi (1181 – 1226) weiß es genau: „Wer mit dem Weibe aber verkehrt, der ist der Befleckung seines Geistes so ausgesetzt wie jener, der durchs Feuer geht, der Versengung seiner Sohlen.“
18. Thomas von Aquin, auch christlicher Heiliger und Kirchenlehrer (geb. etwa 1225 oder 1226, gest. 7. März 1274) versteigt sich gar dazu, die Frau als „misslungenen Mann“ hinzustellen. Er stellt die unverschämt makabre Gleichung auf: „Das Weib verhält sich zum Mann wie das Unvollkommene und Defekte (imperfectum, deficiens) zum Vollkommenen (perfectum).“ Und dieser Mann galt und gilt noch heute als einer der bedeutendsten Philosophen des Mittelalters. Ein wörtliches Zitat von ihm: „Die Frau ist ein Missgriff der Natur, mit ihrem Feuchtigkeitsüberschuss und ihrer Untertemperatur körperlich und geistig minderwertiger. Sie ist eine Art verstümmelter, verfehlter, misslungener Mann. Die volle Verwirklichung der menschlichen Art ist nur der Mann.“ Hier steigert sich der Heilige zur Perversion. Und dann schreibt er noch: „Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen.“ - Noch etwas weiß der heilige Thomas ganz genau: „Ein männlicher Fötus wird (bereits) nach vierzig Tagen, ein weiblicher (erst) nach achtzig Tagen ein Mensch. Mädchen entstehen durch schadhaften Samen oder feuchte Winde.“ Die wissenschaftlichen Kenntnisse oder Erkenntnisse des Heiligen sind erstaunlich! - Von ihm stammt auch die Feststellung, dass die Frau aufgrund ihrer geringeren Intelligenz dem grundsätzlich vernünftigeren und klügeren Mann in allem Gehorsam schulde. »Bei den Frauen gibt es nicht genügend Widerstandskraft des Geistes gegenüber den Begierden.«
19. Der Kleriker und Dichter Jean de Meung schreibt 1275 – 1280 eine Fortsetzung zu dem Rosenroman des Guillaume de Lorris von 18 000 Versen. Darin verhöhnte Jean de Meung die höfische Minne, da die Natur nicht hohe Liebe, sondern Kopulation zwecks Erhaltung des Menschengeschlechts fordere. Zu etwas anderem seien die „nichtsnutzigen, geilen Weiber“ sowieso nicht zu gebrauchen. Selbst in der Ehe taugten sie nichts. Man heirate also nicht. Auch das Ideal der Jungfräulichkeit sei widernatürlich, damit stürbe die Mensch¬heit aus. Die Weiber seien einfach dazu da, dass ihnen Kinder gemacht würden, und zwar in der von der Natur angeregten Beliebigkeit: „alle mit allen“ (Toutes pour touz e touz pour toute).
20. Eine Verordnung aus einem Konzil, welches der Erzbischof Johann von Tours im Jahre 1278 in London abhielt, besagt: „Da die Fleischeslust den Klerikalstand vielfältig entehrt, besonders wenn es zum Kinderzeugen kommt, so verordnen wir, dass die Kleriker; besonders die in den heiligen Weihen sich befindlichen, sich nicht unterstehen, ihren im geistlichen Stand erzeugten Söhnen und ihren Konkubinen etwas testamentarisch zu vermachen. Solche Vermächtnisse sollen der Kirche des Testators zufallen.“ Interessant hierbei ist, dass man selbst im 13. Jahrhundert noch gar nicht daran dachte, dass ein Kleriker auch Töchter haben konnte. Aber nach dieser Anordnung scheint es der Kirche doch allein darauf anzukommen, dass die Geistlichen keine Kinder haben sollten, die sie beerben konnten.
21. Papst Pius II. (1405 - 1464) gibt den Ratschlag: „Wenn du ein Weib siehst, denke, es sei der Teufel! Sie ist eine Art von Hölle!“
22. Reformator Martin Luther (1483 - 1546): „Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allemal, dass die Männer durch sie geboren werden.“ Und noch etwas zur Gebärpflicht der Frauen wusste er: »Ob sie sich aber auch müde und zuletzt zu Tode tragen, das schadet nichts, lass sie nur zu Tode tragen, sie sind darum da.« Oder: „Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes.“ Frauenkenner Martin Luther: „... wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben ... es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, dass sie sich äffen (nachahmen, narren) und trügen lassen.“ Dabei hatte Luther wohl eine recht fragwürdige Moral: „Will die Frau nicht, so komm die Magd.“ Oder: „Darum hat das Maidlein ihr Punzilein, dass es dem Mann ein Heilmittel bringe, damit Pollutionen (unwillkürlicher Samenerguss im Schlaf) und Ehebrüche vermieden werden.“ Und schließlich weiß er: „Ehe ist Arznei für Hurerei.“
23. Gratian du Pont vertritt noch im Jahre 1534 in seiner Schrift „Kontroversen über das männliche und weibliche Geschlecht“ die Ansicht, die Frau sei nicht als Bild Gottes geschaffen worden, weil sie den Mann um seine Unsterblichkeit gebracht habe. Infolgedessen könnten auch nur Männer in den Himmel Eingang finden.
24. Georg Stengel, Jesuit (1584 - 1651) weiß: „Frauen haben nicht mehr Hirn als ein Strohputz auf dem Acker, der für die Vogelschau ist hingestellt worden.“
25. Sanchez, Thomas, jesuitischer Moraltheologe (von 1550 - 1610): „Die Ergötzung am früheren Wollustgefühl ist für eine Witwe sündhaft.“
26. Auf der Synode zu Tyrnau im Jahre 1611 wird folgende kirchliche Lehrmeinung beschlossen: „Alle Bosheit ist klein gegen die Bosheit des Weibes. Besser ist immer noch die Gottlosigkeit des Mannes als ein wohltuendes Weib.“ So werden in den Synoden kirchliche Lehrmeinungen unfehlbar beschlossen.
27. Der spanische Jesuit Alponsa, Antoine de Sarasa (1617 – 1667) stellt fest: „Das weibliche Geschlecht ist bei weitem minderwertiger als das männliche. Der weibliche Verstand ist schwächer.“
28. Der berühmte Prediger Abraham a Santa Clara (1644 – 1709) meint, man müsste „... diesen Weibern auf die entblößten Brüste scheißen.“ Er weiß noch mehr: „Ein schön aufgeputztes Weib ist ein Tempel, der über einer Kloake aufgebaut ist. Wer wird den Kot für einen Gott anbeten wol-len?“
29. Die Mönche im Mittelalter riefen sich, wenn sie einander begegneten, Sprüche zu, die den anderen jeweils daran erinnern sollten, dass die Frauen schlecht und zu verachten seien. Zum Beispiel: „Das Weib ist die Torheit, welche die anständigen Seelen zur Unzucht reizt.“
30. „Eine weibliche Person darf nicht ministrieren“, so schreibt im Jahr 1917 das kirchliche Gesetzbuch vor und zeigt somit das eindeutige Negativ-Verhältnis der Kirche zur Frau bis ins letzte Jahrhundert: Weibliche Personen dürfen auf keinen Fall an den Altar herantreten und dürfen nur von ferne antworten. Weitere Bestimmungen aus den neuen Codex Iuris Canonici: can. 1262: Männer und Frauen nehmen im Kirchenraum voneinander getrennte Plätze ein. Frauen sollen ihr Haupt bedecken und anständig gekleidet sein. Can. 910: Frauen dürfen ihre Sünden nur im Beichtstuhl bekennen. Can. 813: Frauen bleiben vom Altardienst ausgeschlossen.
31. Ein Jesuit namens Wild erklärt im 20. Jahrhundert: „Mädchen, die Miniröcke tragen, kommen in die Hölle.“
32. Eine Pressemitteilung aus dem Katholikentag 1968 lautet: „Alle Frauen sind gefährlich!“ Wohlgemerkt, diese Äußerung ist erst 40 Jahre her!!!
33. Bischof Rudolf Graber (1903 –1992, ehemals Bischof von Regensburg) erklärte zur Sexualkunde in den Schulen im Jahre 1980: „Vielleicht wird uns nun klar, warum wir vorhin auf den engen Zusammenhang des Weibes mit dem Tier aufmerksam gemacht haben: Sexualität führt zur Bestialität.“
34. Papst Paul VI. (Papst vom 21.6.63 bis 6.8.1978†): „Frauen sind nicht die Funktionen eines Messdieners gestattet.“
35. Aber selbst der Papst Johannes Paul II bezieht sich auf Paulus (1. Timotheusbrief 2, 11 ff) und erklärt noch im Jahre 1988 in typisch rückständiger Weise: „Eine Frau soll still zuhören und sich ganz unterordnen. Ich gestatte es keiner Frau zu lehren und sich über den Mann zu erheben. Zuerst wurde ja Adam erschaffen und dann erst Eva.“ Beschämend ist es dabei schon, wenn ein Papst die zwei Versionen der Bibel zur Erschaffung des Menschen nicht kennt oder nicht kennen will, denn nach der ersten Version wurden Adam und Eva gleichzeitig erschaffen. Aber das passt der heutigen Kirche nicht in ihr Konzept! Und trotzdem, was hat es damit zu tun, ob der eine eher und der andere später erschaffen wurde? Tatsächlich beharrt nämlich die Kirche so gerne auf der zweiten Version, weil sie nicht will, dass die Frau nach dem Angesicht Gottes geschaffen sei, sondern aus Adam und deswegen sei sie nicht, wie der Mann, Gottes Ebenbild.
36. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Äußerung der Theologieprofessorin an der Harward Divinity School: „Die christliche Erinnerung hat die Frauen ausgeblendet, die das frühe Christentum mitgestaltet haben, die christliche Geschichte geprägt haben und schließlich in Vergessenheit geraten sind.
Etwas Ähnliches berichtet außerhalb des Christentums auch Plinius der Ältere in seiner Naturalis historia, dass nämlich die Geschichtsschreibung seiner Zeit Informationen über die Arbeit von Ärztinnen absichtlich unterdrückte, weil Frauen still und unscheinbar bleiben und nach ihrem Tode vergessen werden sollten. Allerdings hat das Christentum alle übertroffen, die herausragenden Frauen der Geschichte im Nebel der Vergangenheit verschwinden zu lassen.
Hierher gehört auch ein Zitat aus einem Brief des Papstes Gelasius I. (492 – 496): „Wir haben vernommen, dass die geistlichen Angelegenheiten so tief gesunken sind, dass sogar Frauen erlaubt wird, am heiligen Altar die Messe zu lesen und auch andere Aufgaben ausführen, die Männern vorbehalten sind.“
Rudolf Krämer-Badoni: „Es bleibt dabei, dass die tödlichen Abstrusitäten der Theologie nicht dem Zeitalter und seiner angeblich irrationalen Denkweise zugeschrieben werden können. Denn das Zeitalter und seine Denkweise hatten eine ganz natürliche Einstellung. Nur bei den Theologen herrschte finstere Nacht, denn dort war der Geschlechtsakt ‚lasterhaft und ekelhaft’ und die Frau konnte sich nur als ‚jungfräuliche Braut Christi’ vor der Einschätzung als ‚Sau’ retten.“
Solche und ähnliche Diskriminierungen mussten die Frauen über die zwei christlichen Jahrtausende hinnehmen. Kein Wunder, dass solche Ansichten letztendlich zur Verfolgung der Frauen als Hexen führten. Der geringste Anlass, die geringste Eigenart an einer Frau brachte die Frauen des Mittelalters in den Verdacht der Teufelsbuhlschaft und des Paktes mit dem Satan und sehr schnell vor die Inquisition, die kirchliche Institution zur menschenunwürdigen, verbrecherischen Verfolgung und Quälerei von Frauen, die letztendlich vor der Inquisition unter den bestialischen Qualen der Folter das Unmöglichste gestanden. Frauenfeindlichkeit ist Menschenfeindlichkeit, wenngleich die maßgebenden Leute damals die Frauen wohl nicht als Menschen ansahen.
Auch in den kirchlichen Rechtsordnungen wurde die Minderwertigkeit der Frau manifestiert:
1. Johannes Teutonicus (1180 bis 1252), Apparatus, passim: „Frauen können keine öffentliche Verantwortung tragen und keine öffentlichen Ämter innehaben ... Die Natur hat die Frau zum Zwecke des Gebärens von Kindern geschaffen ... Der Mutterleib ist der Boden, in welchem der Samen gedeiht.“ Damals wusste man noch nichts vom weiblichen Ei!
2. Henrick de Sergusio, Commentaria: „Frauen können keine Männerverant-wortung innehaben. Das gilt auch für adlige Frauen und Äbtissinnen.“
3. Anthony de Butrio (1338 – 1408), Commentaria II: „Es ist angemessen, dass die Frau nicht die Schlüsselgewalt hat, denn nicht sie, sondern nur der Mann ist das Ebenbild Gottes, er ist das Bild der Herrlichkeit Gottes. Deswegen muss die Frau dem Manne untertan sein wie eine Sklavin.“
4. Paucapalea, Johann, ein Schüler Gratians († um 1150): „Frauen ist nicht erlaubt, eine Kirche während der Menstruation oder nach der Geburt eines Kindes zu betreten. Denn die Frau ist ein Tier, das menstruiert. Nach Berührung mit ihrem Blut können Früchte nicht reifen, Senf verdirbt, Gras vertrocknet und die Bäume verlieren ihre Früchte, bevor sie reif werden. Eisen rostet und der Himmel verfinstert sich. Wenn Hunde dieses Blut lecken, bekommen sie die Tollwut.“
5. Decretum Gratiani (um 1140), eine Privatarbeit des Kamadu-lensermönches Gratian in Bologna (12.Jh.), die in das Corpus Iuris Cannonici Eingang gefunden hat: „Frau sein bedeutet Schwäche des Geistes“, „Die Frau hat dienenden Status und ist daher ihrem Ehemann in allem untergeordnet“, „Ehefrauen sind von der Natur her von ihren Männern abhängig“, „Ämter der Kirche können nicht an Frauen übertragen werden.“
6. Im Corpus Iuris Canonici, geltendes Recht der katholischen Kirche von 1234 - 1918, gilt folgendes: „Gemäß einem zivilrechtlichen Prinzip kann eine Frau kein öffentliches Amt innehaben. In gleicher Weise sind die Frauen auch nach dem Kirchenrecht von allen geistlichen Positionen und Ämtern ausgeschlossen.“ , „Eine Frau, und sei sie noch so fromm und gelehrt, darf weder predigen noch lehren.“ - „In der Ehe steht die Frau unter der Gewalt des Mannes, nicht jedoch der Mann unter der Gewalt der Frau. Der Mann kann seine Frau strafen. Die Frau ist verpflichtet, ihrem Mann zu folgen, wo immer er zu wohnen beschließt.“ - „Die Frau ist zu größerer Bescheidenheit verpflichtet als der Mann.“
Kann man es glauben, dass nach kirchlichem Gesetz, nach kanonischem Recht noch bis zum Jahre 1918 dem Ehemann ausdrücklich das Recht zur körperlichen Züchtigung seiner Frau zugestanden worden war? Es war so! Die Sklavin Frau wird von der katholischen Kirche der körperlichen Bestrafung durch den Ehemann anheimgegeben. Schließlich war sie ja für die Kirche nicht mehr als eine Sklavin.
Eine Volksweisheit des Mittelalters lautet: „Schlag deine Frau jeden Tag. Wenn du auch nicht weißt warum, sie weiß es!“
Bezeichnend ist es, dass auch heute noch in manchen, besonders ländlichen Gegenden, eine Frau, die keinen Sohn gebar, schief angesehen wird und oft auch noch die Verachtung ihres Ehemannes zu spüren be-kommt.
Der Ehemann sagte, als seine Frau mit einem Mädchen niedergekommen war: „Es ist nur ein Mädchen. Nun ja, man muss für alles dankbar sein.“
Auf dem Balkan sprechen noch heute die meisten Ehefrauen ihren Schwiegervater mit „Sie“ an. Der Schwiegervater kann ihr dann zwar das „Du“ anbieten, aber, sofern ihm die Schwiegertochter nicht passt, kann sie darauf ewig warten. Ebenso werden eingeheiratete Männer von den Nichten der Ehefrau mit „Sie“ angeredet.
Warum denn sitzen in der Kirche die meisten Frauen links, die Männer aber rechts. Früher waren Männlein und Weiblein streng getrennt. Es könnte ja sein, dass die Frauen einen Mann während der Messe verführen könnten!
Eines soll hier auch noch zitiert werden: Kanonisches Eherecht von P. Honorius Hanstein O.F.M. 6.Auflage von 1961, Verlag Schönigh, Paderborn: „Die Frau ist im häuslichen Zusammenleben dem Mann als Haupt untergeordnet.“ (a.a.O. 6.Kap. § 46, Seite 217). Die katholische Kirche hat bis in die Neuzeit noch immer nichts dazugelernt.
Und weiter heißt es in demselben Büchlein über das Kanonische Ehe-recht: „Die Jungfräulichkeit steht als Stand höher als der Ehestand. Diese Lehre wurde durch das Konzil von Trient gegen die Reformatoren definiert.“ Da das Konzil von Trient von 1545 bis 1563 in Trient tagte, ist dies ein uralter Zopf, an welchem die Kirche immer noch festhält.
An dieser Stelle muss man sich auch fragen, ob nicht allein der Rock, den die Frauen bis ins 20. Jahrhundert tragen mussten, eine Mode der Unterdrückung der Frau ist. Das kann man nicht uneingeschränkt sagen, weil zu den biblischen Zeiten die Hose noch nicht erfunden war. Es trugen damals sowohl die Männer als auch die Frauen Röcke oder rockähnliche, also unten offene Oberbekleidung, je nach Bedarf knielang oder bis zum Boden reichend. Dies war die Kleidung sowohl der Juden als auch die der umliegenden Völker. Bekannt ist das besonders von den Römern, deren Männer ebenfalls mit Röcken gekleidet waren. Dennoch gab es den Unter-schied zwischen weiblicher und männlicher Kleidung, siehe Bibel Deut. 22,5:
„Eine Frau soll nicht die Ausrüstung eines Mannes tragen und ein Mann soll kein Frauenkleid anziehen; denn jeder, der das tut, ist dem Herrn, deinem Gott ein Greuel.“
Das ist die biblische Kleidungsordnung!
Die Hose ist eine spezielle Erfindung der Parther. Die Parther sind ein iranischer Volksstamm südöstlich des Kaspischen Meeres, die sich bis zum Ende des zweiten Jahrhunderts vor der Zeitenwende zu einem riesigen Reich bis zum heutigen China und Indien im Osten und zum Euphrat im Westen ausdehnten. Diese Parther jedenfalls nähten sich die ersten Hosen, welche zunächst die berittenen Krieger aus Gründen der Bequemlichkeit trugen. Aber von hier aus trat die Hose als Bekleidungsstück der Männer einen Siegeszug bis über das ganze Abendland an, war aber von Anfang an als Bestandteil der männlichen Kleidung zum Tabu für Frauen geworden. Wenn Frauen, ein Beispiel ist die Jungfrau von Orleans, es wagten, Hosen anzuziehen, wurden sie beschuldigt, ihr minderwertiges weibliches Wesen, das ihnen so von Gott zugeteilt worden war, gegen das höherstehende männliche verleugnen und eintauschen zu wollen. Und hier beginnt dann das Tragen der speziellen Frauenkleidung (Rock) und der Männerkleidung (Hose) ebenfalls zum Instrument der Frauenunterdrückung zu werden. Frauen, welche statt des ihnen geziemenden Rockes sich mit einer Hose bekleideten, hatten mit schwerer Bestrafung zu rechnen. Selbst noch im 19. Jahrhundert kamen in Europa Frauen in den Kerker, wenn sie das Verbrechen, eine Hose zu tragen, begangen hatten. Der Rock war also nicht von Anfang an ein die Frauen kennzeichnendes Kleidungsstück. Jedoch wurde das Tragen von Hosen zum Vorrecht der Männer gemacht und welche Frau es verletzte hatte mit strenger Strafe (Freiheitsstrafe, Prügelstrafe, Prangerstrafe) zu rechnen. Und so konnte es zu der Redewendung kommen, dass derjenige, der die Hosen anhabe, auch das Sagen habe. Im Ergebnis war diese Kleiderordnung dann doch wieder zu einem Instrument der Frauendiskriminierung geworden.
Eine Leserin aus Österreich teilte mir mit: „Noch in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts musste meine Schwester in der Schule ein entsprechendes ärztliche Attest vorlegen, wenn sie im Winter bei eisiger Kälte Hosen anziehen wollte. Sie hatte einen verständnisvollen Arzt, der ihr die Notwendigkeit von langen Hosen aus gesundheitlichen Gründen in jedem Winter erneut bescheinigte.“
Übrigens bezog sich das Verbot für Frauen, Hosen zu tragen die meiste Zeit auch auf die Unterwäsche. Sie durften also auch keine Unterhosen tragen.
Dieses mittelalterliche Verbot für Frauen, Hosen zu tragen, hat die Heilige Therese übrigens ins Gegenteil verkehrt. Sie hatte eine eigenartig verdächtige Aversion gegen Männerhosen. Hätte sie nur die Macht gehabt, so hätten alle Männer ihre Hosen ablegen müssen. Wenigstens die ihrer Befehlsgewalt unterstellten Karmelitermönche, mussten auf ihre Anordnung die Hosen ausziehen und bekamen dafür ein kleines Schürzchen aus brauner Wolle vorgebunden. Dabei war sie nur eine Gegnerin von Männerhosen, die sie aus unerfindlichen Gründen für unchristlich erachtete. Die ihr unterstellten Nonnen mussten Hosen tragen. Was diese eigenartige Schürzenverordnung zu bedeuten hatte, lässt sich nur mutmaßen. Wem sollte hier was erleichtert werden?
Die deutschen Bischöfe stellten im Jahre 1925 Regeln für das Baden und Schwimmen auf. Demnach sollte auch in Freibädern Frauen und Männer, Jungen und Mädchen nicht gemeinsam baden. Das Schauschwimmen war für Mädchen und Frauen gänzlich untersagt.
Allgemeine Instruktion der Konzilskongregation vom Jahre 1930: „Die Eltern sollen die Töchter von den öffentlichen Turnübungen und Turnveranstaltungen fernhalten. Und sollten die Töchter zur Teilnahme gezwungen sein, so mögen die Eltern trachten, ihnen vollkommen anständige Kleider zu beschaffen und niemals sollen sie ihnen gestatten, unanständige Kleidung zu tragen.“
*
a) Die Hexenverfolgung
Es gibt keine andere Glaubenslehre, die so viel Nächstenliebe verkündet hat wie das Christentum, aber es gibt auch keine andere Konfession, die trotzdem so viel Nächstenhass und so viel Frauenhass in die Tat umgesetzt hat.
Diese biblische Forderung, „Zauberinnen/Hexen sollst du nicht am Leben lassen“ (Exodus 22,17; siehe auch oben unter Kapitel II A j) hat die christliche Kirche bis zur schrecklichen Vollendung im ausgehenden Mittelalter und der beginnenden Neuzeit im Wahnsinn der Hexenverfolgung ausgetobt. Mit dieser biblischen Forderung waren die Hexenprozesse und die gnadenlose Jagd auf angebliche Hexen (fast ausnahmslos nur Frauen) im Mittelalter vorprogrammiert. Mit diesem Satz in der Bibel sind auch schon im Vorhinein die Todesurteile des Mittelalters auf dem Scheiterhaufen bereits festgelegt und gerechtfertigt. Wer wagte es zu behaupten, es gäbe keine Hexen, wenn es doch schon in der Bibel, dem „Wort Gottes“ geschrie-ben steht. Gottes Wort kann nicht irren, oder konnte es doch?
Dabei ignorierte die angeblich so unfehlbare Kirche selbst bis zur ersten Jahrtausendwende das Vorhandensein von Hexen, Zauberei und Dämonen überhaupt und versuchte jeden Glauben daran zu unterdrücken. Es gibt keine Hexen und es gibt keine Zauberei. Die Kirche leugnete also anfangs durchaus die Existenz von Hexen, ein ungewohnt fortschrittlicher Standpunkt bei dieser sonst so konservativen, ja rückständigen Institution. Aber offensichtlich waren sie da noch nicht unfehlbar, die Päpste.
Mit dem Aufkommen und der Verbreitung ketzerischer Sekten zu Beginn des zweiten Jahrtausends in fast allen europäischen Ländern, gibt die Kirche allerdings ihre bisherige Haltung zum Hexenglauben völlig auf, wendet sich um 180° und gesteht die Existenz von Hexen und Zauberei ein. So unfehlbar ist die Kirche! Die Kirche, die sich auf dem höchsten Stand ihrer Macht befand, meinte, um ihren Bestand zu sichern, Ketzer und Zauberer verfolgen zu müssen und war damit gezwungen Hexen, Zauberei und Dämonen auch anzuerkennen, da man nichts verfolgen kann, was es nicht gibt. In Wahrheit ging es allein um eine politische Entscheidung, nicht um ein echtes Anliegen der Kirche. Wieder einmal: Der Zweck heiligt die Mit-tel. Welch ein Glück für die Kirche, dass damals die päpstliche Unfehlbarkeit noch nicht erfunden und amtlich festgestellt war. Es beginnen alsbald vereinzelt Prozesse mit dem Anklagevorwurf: Zauberei.
Bereits im Jahre 1090 wurden in Freising drei sogenannte Wettermacherinnen verbrannt, allerdings damals sogar noch gegen den ausdrücklichen Protest der Kirche. Diese Verbrennung am Isarstrand stand in einem gewissen Zusammenhang mit der damals sehr umstrittenen Vergabe des Bischofssitzes in Freising. Dies brachte eine gewisse Verunsicherung mit sich und verursachte diese Tötung dreier Frauen als weibliche Sündenböcke, gleichsam als „Sündenschafe“.
Zur ersten nachgewiesenen Hexenverbrennung in Frankreich kam es in Toulouse im Jahre 1275. Das hauptsächliche Geschehen von Hexenverfolgungen in Frankreich und das Massensterben von unschuldigen Frauen im Feuer der Scheiterhaufen geschah hauptsächlich in Südfrankreich. Besonders der vom Zauberwahn besessene Papst Johannes XXII. förderte den Hexenwahn in Frankreich, wo er im Jahre 1317 in seiner Heimatstadt Cahors sogar den Bischof dieser Stadt wegen Hexerei verbrennen ließ. Schon drei Jahre später, nämlich im Jahre 1320 wies dieser Papst die Inquisition an, in den französischen Bistümern Toulouse und Carassonne alle Hexen und Zauberer, deren man habhaft werden konnte, zu verbrennen. Diese, seine Anordnung dehnte er sechs Jahre später, im Jahre 1326 auf den gesamten Einflussbereich der römisch-katholischen Kirche aus, worauf in ganz Frankreich immer mehr Hexen verfolgt und im Feuer hingerichtet wurden.
Im Jahre 1227 wurden hauptsächlich die Dominikaner, aber vereinzelt auch die Franziskaner mit der Durchführung der Inquisition gegen die Ketzer und die Hexen beauftragt. Damit begann die schreckliche Zeit, in welcher es zu einer beispiellosen Verfolgung von Frauen kam. Bezeichnenderweise waren es wieder einmal die Frauen, die nicht nur unterdrückt, sondern jetzt auch gnadenlos verfolgt, geradezu wie Freiwild gejagt und erbarmungslos vernichtet wurden. Die Hexenverfolgungen sind nichts als ein grausamer, schrecklicher Höhepunkt in der Verfolgung von Frauen durch die Kirche.
Thomas von Aquin, Heiliger und Kirchenlehrer, geb. 1225 oder 1226, gest. am 7.3.1274, bestätigte die Existenz von Dämonen und Hexen und goss damit Wasser auf die tödlich mahlenden Mühlen der Hexenverfolgung. Er behauptete die Möglichkeit der Teufelsbuhlschaft, das heißt des Geschlechtsverkehrs zwischen Menschen und Dämonen. Da allerdings hat der Herr Philosoph wohl etwas zu viel philosophiert.
Mit dem Breve des Papstes Gregor IX. vom Jahre 1235 wird die Inquisition endgültig eingesetzt. Gleichzeitig gab die Kirche ihr bisheriges Prinzip der Verleugnung von Dämonen und Hexen offiziell auf.
Ab dem Jahre 1252 wird die Folter als fragwürdiges Mittel der Wahrheitsfindung angewendet. Dies geschieht auf Ver¬an¬lassung von Papst Innozenz IV. Es beginnen die ersten Hexenprozesse in Europa. Der anfangs gegen die Ketzer gerich¬tete Kampf weitete sich damit zu einem Verfolgungszug gegen die Hexen, in Wahrheit gegen die Frauen aus. Es begann eine regelrechte Treibjagd auf Frauen, auf angebliche Hexen. Be¬zeich-nenderweise ist immer nur von Hexen, also von Frauen die Rede. Trotzdem hatte sich bislang der Hexenbegriff noch nicht auf fast ausschließlich die Frauen zugespitzt, wie dies später geschehen ist. Während der ganzen Dauer der Hexenjagd waren es um 90 % immer nur die Frauen, welche verfolgt, vor Gericht gestellt und verbrannt wurden. „Wo zehn Hexen brennen, brennt höchstens ein Mann“, hat damals der Straßbur¬ger Prediger Johann Geiler von Kaisersberg (1445 - 1510) gesagt und er hatte recht. Die paar Männer, die verfolgt und verbrannt wurden, dienten nur als Alibi zur Rechtfertigung, damit niemand sagen konnte, es habe sich in Wahrheit um eine Frauenverfolgung gehandelt, obgleich es tatsächlich eine solche war.
Im Jahre 1431 wurde in Frankreich Jeanne d’Arc aus politischen Gründen und auf Betreiben Englands der Ketzerei und Hexerei angeklagt und verbrannt. Hierdurch sollte aber eher der Widerstand der Franzosen gegen die englische Besatzungsmacht gebrochen werden, man wollte die junge Frau, die von allen verehrt wurde und für die Franzosen mutig in den Kampf gegen die Engländer zog, beiseiteschaffen. Die kämpferische Jungfrau von Orleans zur Hexe zu machen, war nur ein Vorwand. Daher wurde sie auch schon bald, nämlich 25 Jahre später im Jahre 1456 in selten erlebter Einsicht von der Kirche rehabilitiert, was das kirchliche Unrecht natürlich nicht mehr rückgängig machen konnte. Im Jahre 1920 musste die Kirche ihr Verbrechen einsehen und sprach die Jungfrau von Orleans ihren Fehler erkennend, wenn auch ohne Schuldeingeständnis, sogar heilig.
Erst um die Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelt sich der besondere Verbrechensbegriff der Hexerei. Bis dahin waren die Hexen als Ketzer verfolgt worden. Nunmehr werden diese Ketzereiverfahren in Hexenprozesse übergeführt. Damit beginnt die gnadenlose und rücksichtslose Hexenverfolgung, ein schwarzes Kapitel in der Geschichte der Kirche. Es beginnt die systematische Menschenjagd auf Hexen, die erbarmungslose Verfolgung von in Wahrheit völlig unschuldigen Frauen. Auch wussten die Gebildeten damals längst, dass es in Wahrheit keine Hexen gab. Hier setzt sich die biblische Unterdrückung und Ächtung der Frauen auf grausame und geradezu bestialische Weise fort.
Auch in Frankreich wurden die bis dahin als Ketzerverfahren geführten Hexenprozesse in das neu geschaffene Hexenprozessverfahren übergeführt: Der erste richtige Hexenprozess findet im Jahre 1450 statt, wohl gemerkt, inzwischen waren zahlreiche Hexen im Ketzerverfahren abgeurteilt und verbrannt worden, wie zum Beispiel die Hexenverbrennung in Toulouse (1275) und die Verurteilungen auf Grund der geschilderten Anordnungen von Papst Johannes XXII. in Cahors (1317) und in den Bistümern Toulouse und Carssonne (1320) oder die Verurteilung und Verbrennung der Jeanne d’Arc in Rouen (30.5.1431).
Am 5.12.1484 erlässt Papst Innozenz VIII., der Nachfolger des am 12. August verstorbenen Papstes Sixtus IV. die „Summis desiderantis“, die Ketzer- und Hexenbulle. Diese Hexenbulle wurde auf Wunsch der deutschen Inquisitoren Heinrich Institutoris und Jakob Sprenger verkündet. Mit der Bulle übertrug der Papst den Hexenverfolgern unbegrenzte Vollmachten und bedrohte die Gegner der Inquisition mit Kirchenstrafen. Mit dieser Bulle und der päpstlichen Autorität wurde jeder Widerstand gegen die Hexenverfolgung und die Inquisition unterdrückt und jeder Zweifel an der Richtigkeit der Ketzer- und Hexenprozesse, aber auch den unmenschlichen Hinrichtungen bereits im Keime erstickt.
Im Jahre 1487, genauer ab Dezember 1486 im Verkauf, erscheint in Köln „Der Hexenhammer“, „Malleus Maleficarum\". Bezeichnenderweise ist „maleficarum“ die weibliche Form = Unholdin. Der Verfasser geht also nur von Hexen, von Frauen aus, die wegen Zaubereisünden und Schadenszauber zu verfolgen und auszurotten seien. Allein der Titel dieser Schrift betont schon die einseitige, zumindest aber überwiegende Verfolgung von Frauen, deren Diskriminierung und Verunglimpfung. Auch im Inhalt ist es nicht anders, dort wird ebenfalls nur von Hexen, Frauen gesprochen. Der Verfasser dieser schrecklichsten Waffe gegen die Hexen und damit gegen die Frauen ist der deutsche Inquisitor Heinrich Institutoris, Theologieprofessor. Nach diesem Buch, das für die unheilvolle Menschen-, besser Frauenjagd, der europäischen Hexenverfolgung verantwortlich ist, ist die Frau die Hauptfeindin der Kirche. Die Verfolgung der angeblichen Zaubereisünden betrifft fast ausschließlich wieder einmal nur die Frauen. Der Hexenhammer wurde zum Hauptlehrwerk und gleichsam zum Gesetzbuch aller Hexenrichter. Und es ist wirklich ein „Hammer“, was darin gegen die Frauen geeifert und gekeift wird.
Es lohnt sich einige der „hochwissenschaftlichen“ Begründungen der beiden Herren Theologieprofessoren aus dem Hexenhammer näher zu zitieren:
„Die Augen nämlich infizieren die unmittelbar angrenzende Luft bis zu einem bestimmten Abstand. Auf diese Weise bekommen Spiegel, wenn sie neu und blank sind, eine Trübung durch die Spiegelung einer menstruierenden Frau.“ (Hexenhammer I, 2 / dtv-Taschenbuch: Hexenhammer S. 168).
„Denn der Sitz der Wollust ist bei den Männern in den Lenden, weil von hier der Samen ausgesondert wird, wie bei den Frauen vom Nabel aus.“ (Hexenhammer I, 3 / dtv-Taschenbuch: S. 182) Eine „hochwissenschaftliche“ Feststellung des Herrn Theologieprofessors, die uns lehrt, dass auch die Frau Samen aussondert, wenngleich auch nur vom Nabel aus.
„Mit dem Löwen und dem Drachen zu verweilen“ zitiert der Theologie-professor aus einer anderen Quelle, „wird einem lieber sein als mit einer liederlichen Frau zu wohnen ... Klein ist jede Bosheit gegen die Bosheit der Frau.“ (Hexenhammer I, 6 / dtv-Taschenbuch: S.227) Der zölibatäre Professor muss es wissen! Man hätte ihn einmal zu Löwen und Drachen sperren sollen. Aber es geht gleich weiter mit der Hetze gegen die Frauen: „Es ist nicht zuträglich zu heiraten. Was anderes ist die Frau als die Feindin der Freundschaft, eine unentrinnbare Strafe, ein notwendiges Übel, eine natürliche Heimsuchung, ein wünschenswerter Verlust, eine häusliche Gefahr, ein ergötzlicher Schaden, ein Fehler der Natur, mit schöner Farbe bemalt?“ (Hexenhammer I, 6 / dtv-Taschenbuch S. 227)
Dann zitiert der Professor aus der Bibel, dem Buch der Sprichwörter 11, 22: „Ein goldener Ring im Rüssel eines Schweins ist ein Weib, schön, aber sittenlos.“ In der Übersetzung nach Luther heißt dieser Vers etwas anders: „Ein schönes Weib ohne Zucht ist wie eine Sau mit einem goldenen Ring durch die Nase.“ (Hexenhammer I, 6 / dtv-Taschenbuch S. 230 + 231)
„Diese Mängel (der Frau) werden auch gekennzeichnet bei der Schaffung der ersten Frau, da sie aus einer krummen Rippe geformt wurde, d.h. aus einer Brustrippe, die gekrümmt und gleichsam dem Mann entgegengeneigt ist. Von diesem Mangel kommt es auch, dass die Frau immer täuscht, da sie ein unvollkommenes Lebewesen ist.“ (Hexenhammer I, 6 / dtv-Taschenbuch S. 231).
Und nun kommt die Hexenbegründung: „Schlecht also ist das Weib von Natur aus, weil es schneller am Glauben zweifelt und auch schneller den Glauben ableugnet. Das ist die Grundlage für die Hexen (-verfolgung).“ (Hexenhammer I, 6 / dtv-Taschenbuch S. 231)
„Und wie die Frauen aus dem ersten Mangel, dem des Verstandes, leichter zur Ableugnung des Glaubens neigen als Männer, so suchen, ersinnen und verüben sie infolge des zweiten (Mangels), nämlich der außergewöhnlichen Affekte und Leidenschaften, auf vielfache Weise Rache - sei es durch Schadenszauber, sei es durch andere Mittel. Daher ist es kein Wunder, dass es so große Mengen von Hexen in diesem weiblichen Geschlecht gibt.“ (Hexenhammer I, 6 / dtv-Taschenbuch S. 234).
„Denn wie die Frau von Natur aus lügnerisch ist, so ist sie es auch beim Sprechen ... Wiederum ist die Frau bitterer als der Tod, weil der körperliche Tod ein offener und schrecklicher Feind ist, die Frau aber ein heimlicher, sich einschmeichelnder Feind.“ (Hexenhammer I, 6 / dtv-Taschenbuch S. 236 + 237).

S e i t e n z a h l :  212
A u t o r I n :  zur Vita von Günther Rudolf

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