|
E x p o s é :

|
Markus verliebt sich in die Türkin Fatima, und sie sich in ihn. Sie wird deshalb von ihren Angehörigen getötet. Er will ihr nachfolgen und erwacht im islamischen Paradies, beglückt von der Paradiesesjungfrau Kalypso und begrüßt von den Märtyrern des 11. September, die ihn, als sie erkennen, dass er kein Märtyrer ist, in die Hölle werfen, wo Fatima schmachtet. Kalypso lässt ihn nicht im Stich. Er überredet König Satan, Fatima zu entlassen.
Im Paradies erscheinen neuerlich die Märtyrer des 11. September, und Kalypso entflieht mit den beiden Liebenden auf den Olymp. Sie begibt sich mit Markus zu Jesus und bittet, er möge Fatima wieder zum Leben erwecken. Doch zuerst muss sie Allah überreden, Fatima zu entlassen, damit sie Christin werden kann, und sich mit Jesus zu treffen. Allah lässt sich zur Rücknahme seines alten Gebotes bewegen, dass Ungläubige und Abtrünnige getötet werden sollen.
Jesus gewährt Fatima die Auferstehung. Kalypso darf Markus auch auf Erden mit ihrer Liebe beglücken. |
|
L e s e p r o b e :
|
Es wird doch nicht jeder großen, starken, reinen Liebe ein schneller Tod beschieden sein. Oder doch? Hat im menschlichen Leben nur die kleine, die gewöhnliche, die alltägliche Liebe Bestand wie die zwischen meiner Frau und mir? Sind die großen, starken, reinen Lieben nichts als ein kurzer Vorgeschmack aufs Paradies? Aber was musste ich mich auch, oder genauer: was mussten wir, meine wunderbare Geliebte unen wir nicht viel eher in sie gestürzt – von unseren Trieben, vom Schicksal, vom Liebesgott oder von welchem Gott auch immer? Und konnten wir den schnellen Tod unserer wunderbaren Liebe, den schnellen Tod meiner wunderbaren Geliebten wirklich absehen? O jd ich, uns auch kopfüber in eine solche Liebe stürzen, deren schneller Tod absehbar war?Stürzten wir uns wirklich kopfüber in sie? Wurda, sie selber hätte ihn vielleicht absehen können, ja sogar müssen. Aber noch einmal: Wir wurden ja in unsere Liebe gestürzt - mit elementarer Macht in sie gestürzt. Wie heißt es im Hohen Lied? Stark wie der Tod ist die Liebe. (Gemeint ist natürlich auch hier die große, starke, reine Liebe, nicht die kleine, alltägliche, gewöhnliche.)Wie wahr: Stark wie der Tod ist die Liebe. Sie überwindet alles. Sie bezwingt alles. Sie ist mächtiger als jede Angst, auch etwa die vor Eltern und Lehrern, wohl auch die vor Gott (welchem Gott auch immer) und sogar vor dem Tod. Und sie veranlasste meine Fatima, sich über die strengen Gebote ihrer Religion hinwegzusetzen und sich in einen Christen nicht nur unsterblich zu verlieben, sondern sogar zu ihm nach Europa ziehen und ihn heiraten zu wollen. Sie hätte wissen müssen, und sie wusste es auch, dass sie dadurch in den Augen ihrer frommen Angehörigen dem Islam untreu wurde und nach dem islamischen Religionsgesetz als Abtrünnige getötet werden musste.
Auf einer Gruppenreise durch die Türkei hatten wir uns kennen und lieben gelernt, ich als Reiseleiter und Fatima als Fremdenführerin. Und so groß, so stark, so rein war unsere Liebe, dass wir beschlossen, für immer beisammen zu bleiben - und dies, obwohl wir zu unserem anfänglichen Schrecken entdeckten, dass wir in Wahrheit Vater und Tochter sind (aber die Liebe ist ja auch mächtiger als jedes Tabu). Ich würde daheim in Graz unverzüglich eine Wohnung für uns suchen, Frau und Kind verlassen und auf Fatima warten (aber die Liebe ist ja auch mächtiger als jede andere menschliche Bindung, und sei sie noch so heilig), und Fatima sollte in wenigen Wochen nachkommen. Unterdessen hatten wir beide noch mehrere Verpflichtungen als Reiseleiter beziehungsweise Fremdenführerin.
2
Wenige Tage vor dem bereits feststehenden Termin ihrer Ankunft befand ich mich gerade in Lourdes und hatte schon den ganzen Tag vergeblich versucht, Fatima auf meinem Handy zu erreichen. Als sie sich am Abend noch immer nicht meldete, steigerte sich meine Beunruhigung zur Panik. Und dann stand sie zu meiner maßlosen Verblüffung unverhofft vor mir, ohne dass sich die Tür meines Hotelzimmers im Geringsten bewegt hätte.
Regungslos stand sie vor mir und blickte mich, süß und zugleich unsagbar wehmütig lächelnd, unverwandt an und verströmte einen ebenso süßen, aber höchst ungewohnten Duft und sagte kein Wort. Und als ich mit einem Schrei des Entzückens wie elektrisiert aus dem Bett sprang, um meine Arme um sie zu werfen und sie erleichtert an mich zu drücken, wich sie zurück und entzog sich meiner Umarmung.
Nun erst beendete sie das unbehagliche Schweigen und eröffnete mir die furchtbare Wahrheit: Sie sei gekommen, um von mir Abschied für immer zu nehmen. Das, was ich vor mir sähe, sei ihr Geist, oder genauer: ihr verklärter Körper. Ihr irdischer Körper sei in der Türkei. Er liege in ihrem Elternhaus und schlafe den ewigen Schlaf, zu Tode geprügelt von ihren frommen Angehörigen, weil sie den Islam verraten habe.
Außer mir vor Entsetzen, beschwor ich sie wider alle Vernunft, bei mir zu bleiben, mich nicht zu verlassen, mich nicht ins Unglück zu stürzen. Lieber würde ich mit ihr kommen, und wenn wir in die Hölle müssten.
\"Liebster Markus\", erwiderte sie ernst und sichtlich beeindruckt, \"das würdest du für mich tun?\"
\"Unbedingt.\"
\"Und deine Reisegruppe? Deine Familie? Deine Freunde? Deine Freundinnen?\" Und dazu schmunzelte sie schelmisch.
\"Meine einzige Freundin heißt Fatima. Und die anderen? Pah!\"
\"So lieb hast du mich?\"
\"So lieb hab ich dich.\"
\"Und wenn ich wirklich in die Hölle müsste? Den Islam wollte ich ja wirklich verraten.\"
\"Aber nein. Wenn es nach mir ginge, müsstest du den Islam überhaupt nicht verraten. Ich hätte nicht das Geringste dagegen ...\"
\"Sicher. Aber trotzdem: Was wäre, wenn ich tatsächlich in die Hölle geworfen würde?\"
\"Dann käme ich mit dir.\"
\"So lieb hast du mich?\"
\"So lieb hab ich dich.\"
\"Nun, eine Möglichkeit gäbe es.\"
\"Ja?\"
\"Ja. Dein irdischer Körper läge im Koma, wäre scheintot, und dein verklärter Körper ...\"
\"Käme mit dir?\"
\"Käme mit mir, und wir könnten zusammenbleiben, zumindest solang dein Körper im Koma läge.\"
\"Und wie ...\"
\"Du siehst ihn nicht. Aber hinter mir steht mein Todesengel, der mich auf meine Bitten hierher gebracht hat, bevor ... Der würde deinen Körper ins Koma versetzen.\"
\"Soll er doch.\"
\"Ganz sicher?\"
\"Ganz sicher.\"
3
Im nächsten Augenblick schwanden mir die Sinne, und ich träumte von Fatima und der Nacht, in der wir ein Paar geworden waren. So intensiv träumte ich, dass ich vor Lust förmlich zu vergehen glaubte. Einen solchen Traum hatte ich mein Lebtag nicht geträumt. Ansonsten wachte ich ja jedesmal auf, sobald mich die Lust zu überwältigen drohte, und bedauerte es sehr, dass mir dadurch gerade der Höhepunkt des Traums (und der Lust) entgangen war. Aber diesmal wachte ich eben nicht auf, sondern träumte auch noch den Höhepunkt und hörte sämtliche Engelchöre frohlocken und jubilieren. Und noch erstaunlicher: In diesem Traum erlebte ich gar viele Höhepunkte, und die Engelchöre jubilierten von Mal zu Mal lieblicher.
Umso größer mein Schrecken, als ich aufwachte: Auf mir thronte nicht etwa Fatima, o nein, sondern eine mir völlig Unbekannte, verströmte aber einen ähnlich süßen Duft. Sie war es offenbar, die mir solche paradiesischen Lustgefühle bereitet hatte und immer noch bereitete. Denn wir waren (um die Worte der Bibel zu gebrauchen) immer noch ein Fleisch.
Ungeachtet dessen warf ich sie, kurz entschlossen, ab wie ein scheuendes Pferd seine Reiterin, blickte mich suchend um und rief, verwirrt, empört und zugleich zerknirscht ob meiner ungalanten Aktion: \"Wo ist Fatima?\"
Mein suchender Blick entdeckte eine herrliche Blumenwiese, blühende Bäume, ein rauschendes Bächlein, pittoreske Berge in der Ferne und lüstern glotzende Zuschauer in der Nähe. Nur Fatima nicht.
\"Ha, was ist mit denen? Haben die uns etwa schon die ganze Zeit zugeschaut?\"
Die Unbekannte, die ich abgeworfen hatte, blickte mich mit großen Augen an, wie eine Mutter ihren Sprössling anblickt, der erste Anzeichen des Trotzalters erkennen lässt, und schien mir meinen Mangel an Galanterie nicht einmal übel zu nehmen. Sie war übrigens unglaublich hübsch, weit hübscher als Fatima, man könnte sagen: ein Bild für Götter, und ich war mehrere Herzschläge lang von ihrem Anblick, noch dazu im Evaskostüm, total fasziniert. Noch faszinierter war ich von dem geradezu paradiesischen Duft, den sie verströmte, und dann auch von ihrer Stimme. Denn unterdessen hatte sie zu sprechen begonnen. Aber wie gesagt: So fasziniert war ich, dass ich nichts von dem, was sie sagte, verstand. Und da ich nicht reagierte, fühlte sie sich offenbar veranlasst, ihre Rede zu wiederholen.
\"Du? Geliebter? Ich sagte: Natürlich haben sie uns schon die ganze Zeit zugeschaut. Wie denn auch nicht?\"
\"Weil\", stammelte ich, \"weil ... Da fragst du noch? Was sind das überhaupt für Leute?\"
\"Deine Schicksalsgefährten, geliebter Markus. Ehrwürdige Märtyrer. Genau wie du.\"
\"Ich? Ein Märtyrer? Aber ich bin doch kein.\"
An dieser Stelle wurde meine Rede von lautem Hallo übertönt und unterbrochen. Ich blickte in die Runde und erkannte, dass die lüstern Glotzenden, lauter bärtige Typen, mindestens ein Dutzend an der Zahl, noch näher gekommen waren und ein ohrenbetäubendes Gebrüll angestimmt hatten. Mit der Zeit begann ich zu verstehen, was sie brüllten: Sie begrüßten mich als ihren Mitmärtyrer, der im Heiligen Krieg für Allah sein Leben hingegeben habe und sich nun zum Lohn für sein Opfer der ewigen Freuden des Paradieses erfreuen dürfe. Dann verstummten sie und schauten mich erwartungsvoll an. War jetzt ich dran, mich für den freundlichen Empfang in ihrer Runde zu bedanken oder so?
Sobald ich mich von meiner grenzenlosen Verwirrung erholt hatte, sagte, nein: stammelte ich: \"Aber ich bin doch kein Märtyrer. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, für Allah ... Außerdem bin ich ja gar kein ...\"
\"O doch!\", rief einer von ihnen. \"Wir haben dich doch an der Grenze übernommen, dort, wo der Engel mit dem lodernden Flammenschwert das Paradies bewacht und jedem, der kein ehrwürdiger Märtyrer ist, den Zutritt verwehrt. Ein Todesengel hatte sich eingefunden mit dir und dazu einer Abtrünnigen.\"
Als ich das hörte, zuckte ich zusammen. Er meinte zweifellos meine Fatima.
\"Ach, mach dir nichts draus, dass es nur eine einzige Feindin der Religion erwischt hat. Alle können nicht so erfolgreich sein wie wir.\" Und als er meinen fragenden Blick bemerkte: \"Wir sind nämlich die Märtyrer des elften September, weißt du? Aber noch einmal: Bei Allah zählt der gute Wille, nicht das Werk.\"
\"Wo ist sie jetzt? Wo hat man sie hingebracht?\"
Und ich blickte neuerlich umher, um Fatima zu erspähen. Und o Schreck! Hat sie mir etwa ebenfalls zugeschaut, während ich ...
\"Die Abtrünnige? Na, wohin wohl? In die Hölle natürlich.\"
\"Was? Seid ihr verrückt? Sie ist doch keine Abtrünnige.\"
\"Keine Abtrünnige? Ja, warum hast du sie dann getötet und obendrein dein eigenes Leben geopfert?\"
\"Aber ich habe sie nicht getötet. Ich bin doch kein Mörder. Ich habe mein Lebtag keinem Menschen.\"
Den Rest meiner Rede verschluckte ich, weil ich merkte, wie mir meine hübsche Bettgenossin die Hand auf die Lippen legte und sich gleichzeitig an mich schmiegte, offenbar um mich am Weitersprechen zu hindern. Aber: Zu spät.
4
Meine so genannten Mitmärtyrer hatten schon begriffen, was ich sagen wollte. Augenblicklich erhob sich ein neuerliches Gebrüll, aber kein freudiges wie zuvor, sondern ein zorniges, enttäuschtes, hasserfülltes: Ich sei ein Betrüger, ein Verräter, ein Feind der Religion, schlimmer als jeder Ungläubige, verdammenswerter als jeder Abtrünnige, und würde von Rechts wegen den Tod verdienen, wäre ich nicht ohnedies schon tot. Was ich aber auf jeden Fall verdiene, sei die Hölle, und dort würden sie mich auf der Stelle abliefern.
So brüllend, stürmten sie mit erhobenen Fäusten auf mich los und begannen mich mit diesen zu bearbeiten. Gleichzeitig hörte ich das verzweifelte Kreischen meiner hübschen Bettgenossin und spürte, wie sie sich zitternd an mich klammerte.
Indes, ich spürte es nicht lange. Mich umfing eine barmherzige Ohnmacht, und ich träumte wieder von Fatima, aber nicht von der Nacht, in der wir ein Paar geworden waren, sondern von der Nacht, in der man sie zu Tode geprügelt hatte.
Als ich aufwachte, fiel mir als Erstes auf, dass ich nicht mehr misshandelt wurde und die zornigen Stimmen verstummt waren. Dafür taten mir alle Knochen weh. Zudem lag ich nicht mehr wie zuvor auf einem weichen Bett, sondern hart und unbequem wie auf einem steinigen Boden, und verschiedene Tierchen krabbelten auf mir herum und taten sich an meinem Blut gütlich. Anscheinend war ich noch immer nackt. Überdies stellte ich fest, dass es stockfinster war. Das einzig Tröstliche: Ein weicher weiblicher Körper, ebenso nackt wie der meine, schmiegte sich an mich. Fatima? Mein Herz begann zu rasen, und ich erinnerte mich, dass meine angeblichen Mitmärtyrer behauptet hatten, Fatima in der Hölle abgeliefert zu haben. Befanden wir uns hier also in der Hölle?
\"Fatima? Liebste?\", rief, nein: ächzte ich und warf meine Arme um ihren verführerisch duftenden Leib, um ihn an mich zu drücken, merkte aber, dass er sich anders anfühlte. Und auch die Lippen, die sich jetzt auf meine Lippen pressten, fühlten sich ganz anders an als Fatimas Lippen.
\"Wer bist du?\", ächzte ich und wusste doch schon die bittere Wahrheit.
\"Kalypso\", sagte dieselbe faszinierende Stimme, die mich schon zuvor so fasziniert hatte. \"Deine Paradiesesjungfrau. O mein Geliebter, kennst du mich denn nicht mehr?\"
\"Ach so. Doch, doch. Meine Paradiesesjungfrau, sagst du? Was soll das heißen?\"
\"Weißt du denn nicht, geliebter Markus, dass jedem ehrwürdigen Märtyrer eine Paradiesesjungfrau zugeteilt wird?\"
\"Aber ich bin doch gar kein ... Du hast ja gehört ...\"
\"Klar hab ich\'s gehört. Aber was soll ich machen? Ich habe mich nun einmal unsterblich in dich verliebt.\"
\"Oho, das ist ja ... Aber sind wir hier überhaupt im Paradies? Mir kommt dieser Ort gar nicht so wahnsinnig paradiesisch vor.\"
\"Das ist schon richtig. Nein, das hier ist der Eingang zur Hölle. Die ehrwürdigen Märtyrer haben dich hierher gebracht. Aber ich werde dich deshalb nicht verlassen. Du weißt doch: Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, duldet alles.\"
Ich schwieg beeindruckt, versuchte mich mit mäßigem Erfolg aufzurappeln, kratzte mich ausführlich und stellte fest, dass es doch nicht stockfinster war, sondern nur dämmerig, etwa so, wie wenn der Vollmond hinter Wolken verborgen ist, und dass es hinter uns deutlich heller war, wie wenn auf der Erde am östlichen Horizont die Ankündigung der Morgendämmerung erscheint.
Und dann erkannte ich, dass wir hier nicht allein waren. Über uns stand, hoch aufgerichtet, eine dunkle, geflügelte Gestalt und beobachtete uns mit stechenden Augen, die in der Finsternis bedrohlich leuchteten wie die von Katzen.
\"He, wer ist das?\", stammelte ich, und Kalypso sagte: \"Einer der Höllenengel. Aber keine Angst! Er tut dir nichts.\" Und zu ihm aufblickend: \"Hab ich Recht?\"
Er nickte und ließ hierauf seine Stimme hören. Und auch die war faszinierend – freilich nicht durch ihre Lieblichkeit, sondern durch ihren abstoßenden, schnarrenden Klang und den Schrecken, den sie mir einjagte. Jedenfalls erschrak ich so heftig, dass ich kein Wort verstand und nachher Kalypso fragen musste, was er denn gesagt habe.
\"Dass er uns nichts tun wird\", erwiderte sie bereitwillig. \"Dass er lediglich als unser Führer fungiert.\"
\"So? Wohin will er uns denn führen?\"
Wieder ertönte die schnarrende Stimme des Höllenengels; und jetzt verstand ich ihn auf Anhieb: \"Na, wohin wohl? Zu Iblis natürlich.\"
\"Iblis? Wer ist das?\"
Und Kalypso: \"Wie? Das weißt du nicht? Der König aller Höllenengel. Manche nennen ihn auch Satan.\"
Und der Höllenengel: \"Er wird über euer weiteres Schicksal entscheiden. Und jetzt steht endlich auf! Hier werdet ihr nicht mehr getragen. Hier heißt es marschieren.\"
Und ehe ich noch ein Wort herausbrachte, hatte er mich auch schon mit keineswegs sanfter Gewalt in die Höhe gerissen, was gerade in meinem gegenwärtigen Zustand durchaus einer zusätzlichen Misshandlung gleichkam. Übrigens verströmte auch er einen faszinierenden Duft – so faszinierend, dass einem davon schlecht werden konnte.
Kalypso riss er, wie es schien, ähnlich gewaltsam in die Höhe, was mich, ehrlich gesagt, noch mehr erboste als meine eigene Misshandlung. Wie kann man nur mit einer so reizenden und noch dazu völlig hüllenlosen Schönheit derart grob umgehen? Ich warf ihm einen empörten Blick zu und war nahe daran, ihm meine Empörung auch in Worten an den Kopf zu werfen. Kalypso selber lächelte aber nur, offenbar um mich zu besänftigen, und nahm mich beinahe zärtlich, wie eine Mutter ihr Kind, bei der Hand.
Beide Hände schüttelte ich jedoch, ebenfalls mit mehr oder weniger sanfter Gewalt, sogleich wieder ab. Zuerst musste ich mich doch von den lieben Tierchen befreien, die mich oder mein Blut als Leckerbissen ausersehen hatten. Und dabei fiel mir auf, dass mir trotz meiner vollkommenen Nacktheit noch immer behaglich warm war.
\"Na, wird\'s bald?\", hörte ich es schnarren.
Nun hatte dieses Schnarren für mich inzwischen weitgehend seinen Schrecken verloren. Und darum murmelte ich seelenruhig: \"Nur mit der Ruhe! Dafür wird hoffentlich noch Zeit sein.\"
Kalypso brach in entzückendes Kichern aus, dem Schnarrenden aber hatte es offenbar das Schnarren verschlagen. Er wartete tatsächlich geduldig (oder ungeduldig, was weiß ich), bis ich zu erkennen gab, dass meine Befreiungsaktion im Wesentlichen zu Ende sei, und packte mich danach deutlich gefühlvoller, als er es zuvor getan hatte.
|
| S e i t e n z a h l : |
99 |
| A u t o r I n : |
zum Autor Karl Plepelits |
Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 217
Nur registrierte Kritiker können Kommentare schreiben. Möchten Sie Kritiker bei uns werden? Powered by AkoComment Tweaked Special Edition v.1.4.6 AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze - www.mamboportal.com All right reserved |