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Chroniken aus Schattenwelt
Ab 12 Jahre
Geschrieben von Jörg Erlebach   

E x p o s é :

bvkinder 

Das Land Chem  - im Norden die Provinzen Asgard und Kroton. Im Süden – die Reiche Taurin und Zimbara, Heimat der alten Herrscherdynastien. Doch getrennt werden der Norden und der Süden durch Schattenwelt – Land der Zauberer, der Dämonen und vieler anderer Wesen. Vorsicht ist geboten – über Schattenwelt liegt der Geruch des Bösen und dieser Gestank breitet sich wie eine Seuche über das Land aus. Als Tiron von seiner Mutter ein Amulett geschenkt bekommt, ahnt er nicht wie groß die Wendung seines Schicksals sein wird. Es ist der lang verschollene Stern von Taurin – einer von zwei Schlüsseln, die zusammen die Macht besitzen, Obsidian, den Herrn der Finsternis zu töten. Tiron begibt sich mit zwei Gefährten auf die Suche nach dem zweiten Schlüssel und erfährt bei den Norodim – dem uralten  Geschlecht, wo diese machtvolle Waffe ruht …

L e s e p r o b e : 

 

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

 

  

  

  

  

  

  

  

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 


  

  

     

  

  

  

  

  

  

  

 

  

  

 

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

 

  

  

  

  

  

  

 

  

  

  


  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

 

  

    

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

 

  

 

 


Es war kurz nach Sonnenaufgang als Belarion an ihre Tür klopfte. Tiron öffnete und begrüßte das Oberhaupt der Norodim. “Bitte folgt mir in die Ratskammer, wir haben viel zu besprechen.“ Da alle bereits fertig waren, konnten sie sofort aufbrechen. Der Norodim führte sie in den großen Saal, der ihnen bereits vom gestrigen Tage her bekannt war und ging auf eine Seitentüre des Saales zu, die er langsam öffnete. Sie traten in einen kleinen Raum. Tiron sah sich um – es war eher ein Gewölbe als ein Zimmer. In der Decke war eine Art Kuppel in den Fels geschlagen worden – diese wurde von sechs Säulen getragen – zumindest sah es so aus. An den Säulen waren Kerzenhalter befestigt und die Kerzen strahlten ein warmes Licht aus. Unter der Kuppel befand sich – wieder – eine kreisrunde Tafel. Der Tisch war reich mit Intarsien geschmückt, die anscheinend eine Geschichte erzählten – auch Drachen waren abermals zu sehen. Ansonsten war der Raum schmucklos, bis auf einen großen Wandteppich der an  Stirnseite von der Decke hing – auf diesem war eine Burg zu sehen, die der Lindwurmfestung sehr ähnlich sah. Die Ratsmitglieder, die sie gestern bereits gesehen hatten, saßen schon am Tisch. Belarion gebot ihnen nun ebenfalls Platz zu nehmen. Als sie saßen, betrat eine Frau den Raum, die ein großes Tablett mit Wein, Wasser und frischen Früchten trug. Sie stellte es in die Mitte der Tafel und verschwand so still wie sie gekommen war. Die Tür fiel mit einem leisen Knirschen ins Schloß und Belarion richtete das Wort an Tiron, Marla und Charim. „Zuerst möchte ich Euch die Anwesenden vorstellen. Das hier ist Lady Helena – Hohe Frau und Ratsmitglied von Norgrond.“ Die Vorgestellte nickte ihnen zu. Bei Tiron kamen – als der Norodim den Namen der Frau nannte – schmerzhafte Erinnerungen an seine Mutter hoch – wo sie wohl sein mochte? Schnell verdrängte er die Gedanken, denn Belarion sprach weiter, „Zur rechten von Helena, sitzt Varna, vom Volk der Amazonen oder auch … „ Belarion sah Marla mit einem sanften Lächeln an, „… Panthera genannt!“ Marla blieb der Mund offen stehen. Der Norodim lächelte immer noch, „Ja, Marla, Du wunderst Dich, warum Du die Anwesenheit einer Panthera nicht bemerkt hast. Varna wird Dich später aufklären und ich denke Ihr beiden habt Euch bestimmt viel zu erzählen. Ihr seht ausserdem – nicht alle im Hohen Rat der Norodim entstammen auch unserem Geschlecht.“ Marla sah noch immer zu der Panthera die Varna genannt wurde – diese lächelte sie sanft an, „Später Marla – ich weiß Du hast viele Fragen auf den Lippen.“ „Nun weiter.“ mahnte der Oberste. „Neben Varna seht Ihr Asran, der große Gelehrte von Ankor. Links von ihm sitzt Galamthiel, Magier des blauen Bandes. Zuletzt möchte ich Euch vorstellen, Lauron von Asgard.“ Tiron hob eine Augenbraue und sah Lauron an, „Ihr kommt aus meiner Heimat, Herr Lauron? Noch nie hörte ich dort Euren Namen.“ Lauron lachte lauthals, „Nun Tiron, das mag daher kommen, dass ich dem alten Geschlecht angehöre. Die Zeiten als mein Name in Asgard gerufen wurde liegen noch vor den alten Schlachten – und Menschen, mein lieber Tiron, vergessen schnell – manchmal zu schnell.“ „Bitte verzeiht mir – es sollte kein Angriff auf Eure Person sein.“ „So habe ich das auch nicht aufgefasst, junger Freund.“ Belarion schaltete sich ein, „Gut nachdem wir uns einander nun vorgestellt haben, lasst uns nun über die aktuellen Ereignisse sprechen und was wir dagegen tun können. Zuerst möchte ich Euch mitteilen, dass ich heute früh Nachricht von König Thalen bekommen habe. Sein Heermeister Varus hat ihn über die Situation unterrichtet und König Thalen war – gelinde ausgedrückt – tief bestürzt. Eure Angaben über die Heerschar des Bösen wurden ebenfalls bestätigt – und sie ziehen tatsächlich nach Norden. Deine List, Tiron, ist geglückt. Ein weiterer Vorteil – sie kommen, aufgrund ihrer großen Anzahl, nur sehr langsam voran. Thalen hat bereits Boten zu allen bekannten Reichen gesandt, um sie zu warnen und darum gebeten ein Heer aufzustellen. Jetzt scheint es also soweit zu sein – die dunklen Wolken über Chem werden zu einem Sturm.“ Tiron fiel bei diesen Worten ein Stein vom Herzen, „Das sind gute Nachrichten, Belarion – zumindest was die Reaktion von König Thalen anbelangt. Jetzt ist es an uns einen Plan aufzustellen.“ Belarion meinte nachdenklich, „Helena ist Ratsmitglied von Norgrond – wenn wir entschieden haben, was zu tun ist, schlage ich vor das Du – Helena – zu König Thalen reist um ihn zu informieren. Du bist unsere Verbindung zu den Narsim.“ Helena nickte, „Nach unserem Gespräch werde ich aufbrechen. Ich werde mit Thalen alles in die Wege leiten.“ „Danke liebe Freundin. Gut – nun zu Dir Tiron. Eure Aufgabe wird es sein den zweiten Schlüssel zu finden – die Kraft des Sterns von Taurin ist zwar groß, aber nur beide Schlüssel gemeinsam haben die Macht Obsidian endgültig zu vernichten. Der zweite Schlüssel ist ein Speer – die Lanze des Lichtes. Deshalb ist es so wichtig, dass der Stern seinen Träger akzeptiert, denn nur dann gibt er seine ganze Macht frei und wenn der Träger die Lanze wirft, vereinigen sich die Kräfte beider Schlüssel.“ „Die Lanze des Lichtes.“ murmelte Tiron, dann sah er in die Runde und fragte, „Wir könnt Ihr Euch sicher sein, dass Obsidian durch die Schlüssel vernichtet wird? Es wurde doch noch nie versucht. Leander hat es probiert und ist gescheitert!“ „Leander kam nicht dazu sie zu werfen.“ sagte Lauron, doch Tiron setzte sofort nach, „Ihr musst entschuldigen, aber das ist nun wirklich sehr verwirrend! Mein Meister – Xinbal – erzählte mir, Leander wurde durch eine Zauberlanze getötet. Das verstehe ich nicht - gibt es denn zwei?“ „Nein – Tiron es gibt nur eine. Leander wurde mit seinem eigenen Speer getötet.“ „Und wie kam es dazu?“ fragte Marla. „Wie die Lanze in Obsidians Hände gelangte wissen wir nicht. Wir vermuten allerdings, dass er sie Leander im Zweikampf abgenommen hat – zumindest lassen einige Beobachtungen diesen Schluß zu.“ antwortete Belarion. Varna bemerkte, „Doch wir hatten Glück im Unglück.“ „Inwiefern?“ fragte Marla. „Nun, wenn der Fürst der Finsternis gewusst hätte, welche Waffe er da in Händen hielt – er hätte sie sofort an sich genommen und in Sicherheit gebracht. So aber ließ er sie achtlos im Körper von Leander zurück und verließ das Schlachtfeld.“ „Hmm – es ist schon seltsam das Obsidian nicht bemerkt haben sollte – was für eine starke magische Energie diese Waffe besitzt.“ meinte Tiron nachdenklich. „Die Lanze gibt ihre Kräfte nur frei, wenn sie mit dem Stern in Verbindung tritt – ansonsten hält man sie für einen ganz normalen Speer. Rein äußerlich unterscheidet sie sich nicht von anderen Lanzen – ausser den mystischen Schriftzeichen, die in den unteren Teil des Schaftes eingraviert wurden, aber ich bezweifle das diese während eines heftigen Gefechtes bemerkt werden.“ „Aber warum hat der Stern seinen Träger nicht beschützt? Er hat mich sogar vor Drachenfeuer bewahrt, da müsste doch die Lanze eine Kleinigkeit sein. Vorallem wenn man bedenkt, dass es sich hier um den zweiten Schlüssel gehandelt hat!“ „Du hast vollkommen Recht Tiron – also lässt der Tod von Leander nur einen einzigen Schluß zu!“ sagte Lauron ernst – und Tiron vollendete den Gedanken, „Er hatte also auch den Stern nicht mehr.“ Zustimmendes Nicken kam von den Ratsmitgliedern. „Genauso muß es gewesen sein.“ antwortete Lauron traurig. „Warum, wieso, weshalb – all das liegt im Dunkeln, denn ab diesem Zeitpunkt war der Stern von Taurin verschollen. Er tauchte erst wieder auf, als der Magier Mortran ihn Deiner Mutter zum Geschenk machte und sie ihn später an Dich weiterreichte.“ „Xinbal meinte er wäre ein sehr mächtiger Zauberer gewesen, dieser Mortran.“ „Ja, das war er – weise und gut, aber launisch wie kleines Kind. Wir hatten viel und guten Kontakt zu ihm. Wir, die Norodim, waren deshalb sehr erstaunt, als wir hörten, dass sich der Stern all die Jahre in seinem Besitz befand und er nichts darüber verlauten ließ. Vorallem wäre es wichtig gewesen, zu erfahren, wie und durch wen der Stern in seine Hände gelangte. Du siehst Tiron – je tiefer wir fragen, umsomehr Rätsel tun sich auf.“ antwortete Belarion. Tiron sah in die Runde, „Vielleicht werden wir auf die eine oder andere Frage noch eine Antwort bekommen, doch jetzt ist eines wichtig – wo liegt die Lanze des Lichtes und wie kommen wir dorthin?“ „Oh - danke Tiron, ich schätze wir sind etwas vom eigentlichen Thema abgekommen. Die Lanze wurde später auf dem Schlachtfeld von einer Panthera in Sicherheit gebracht. Sie wurde an einem geheimen Ort versteckt und magisch gesichert – dort ruht sie noch heute – in Senuum.“ „In Senuum?“ staunte Tiron. „Dort habe ich lange Jahre mit meinem Meister verbracht – er lebt noch immer dort. Hat aber nie von einer Lanze gesprochen!“ Belarion schmunzelte, „Lieber Tiron, Xinbal weiß viel, aber doch nicht alles. Nur die Norodim und jetzt auch Ihr – wisst von dem zweiten Schlüssel. Dieses Wissen hat diesen Ort nur einmal – nämlich durch Leander – verlassen.“ „Und woher wusste dann diese Panthera davon – die, die den Speer auf dem Schlachtfeld in Sicherheit brachte?“ hakte Charim nach. „Nun, weil ich diese Panthera war!“ Die Drei sahen Varna entgeistert an. „Du?“ fragten Tiron, Charim und Marla fast gleichzeitig. „Ja, doch ich war kein Augenzeuge des Kampfes zwischen den beiden. Nach der Schlacht, als ich Leander suchte, fand ich seine Leiche und die Lanze.“ Tiron meinte eine Träne im Auge von Varna zu sehen. „Also wusste auch Faranon nichts von dem zweiten Schlüssel.“ schlussfolgerte er. „Nein – auch er nicht.“ kam die Antwort. Tiron sah mit einem prüfenden Blick zu Charim – dieser murmelte etwas wie, „Ja, ja – ist ja schon gut.“ „Belarion – wo in Senuum liegt die Lanze?“ „Bei den Anhöhen in Murthal. Sie wurde in einem der Hügelgräber – zusammen mit einem unbekannten Krieger bestattet.“ „Hmm, die Gegend um Murthal? Die ist mir bekannt – aber dort sind hunderte von Begräbnisstätten. Wie sollen wir das Grab dort finden? Xinbal meinte damals zu mir, ich solle den Ort um jeden Preis meiden, da dort Ghule ihr Unwesen treiben. Nun ja, der Ort passt auch zu ihnen, denn sie sind Leichenfledderer.“ meinte Tiron nachdenklich. „Ja, viele der gefallenen Krieger fanden nach der alten Schlacht dort ihre letzte Ruhestätte. Das genau war auch der Grund warum die Lanze dort in Sicherheit gebracht wurde. Selbst wenn jemand in Erfahrung gebracht hätte, dass der zweite Schlüssel dort versteckt ist, hätte er sämtliche Gräber untersuchen müssen. Das dieser Ort zusätzlich eine Heimsuchung durch Guhle erlebte, war ein glücklicher Zufall, denn so mied jegliches Lebewesen diese Gegend erst recht!“ antwortete der Oberste. „Was es für uns aber nicht gerade einfacher macht – Ghule sind sehr gefährlich und unberechenbar. Sie gehören zur Seite des Bösen, sind aber auch dort nicht gerade gern gesehene Gäste. Trotzdem - wäre die Lanze hier nicht sicherer gewesen? Es wusste doch keiner – ausser den Norodim – wie mächtig diese Waffe ist?“ „Ja, vielleicht wäre sie das gewesen – doch es bestand ein großes Risiko. Die Panthera!“ Die Drei sahen Varna fragend an – sie ließ leicht den Kopf hängen, „Ja – es stimmt, ich war das Risiko.“ „Wieso Ihr?“ fragte Charim. Doch statt Varna antwortete Marla, „Die Panthera können Ihre Aura gegenseitig wahrnehmen und es gibt Mächtige unter uns, die sogar Gedanken lesen können. Das war das Risiko – nicht wahr? Varna wusste um die Macht der Lanze. Also habt Ihr – Belarion - den Speer ausserhalb in Sicherheit gebracht und zwar ohne das Varna das Versteck kannte. Wäre sie also tatsächlich unter den Gedankeneinfluss einer Abtrünnigen gekommen, so würde diese zwar erfahren, dass es eine kraftvolle Waffe gibt – nicht aber wo sie sich befindet.“ Die Ratsmitgliedes nickten und Lauron sagte, „Ja, Marla, dass war der Grund – Du hattest in allem was Du sagtest recht.“ „Dann verstehe ich aber eines nicht.“ sprach Marla weiter, „Warum - Varna, kann ich Dich dann nicht wahrnehmen?“ „Nun – Du musst bedenken, diese Ereignisse liegen sehr lange zurück. Ich habe lange gebraucht um einen Weg zu finden, mich – gewissermaßen – für mein Volk gedanklich unsichtbar zu machen. Und wie Du bemerkt hast – ist es mir auch gelungen.“ „Warum liegt die Waffe dann immer noch dort?“ fragte Tiron. „Sie wurde versteckt kurz nach der Schlacht – wie gesagt – vor sehr langer Zeit! Niemand hat sie bis heute gefunden – geschweige denn überhaupt danach gesucht. Also warum das Versteck aufgeben und das erneute Risiko eingehen, entdeckt zu werden?“ gab Lauron zurück. „Klingt einleuchtend.“ meinte Charim. „Hoher Herr, Ihr spracht vorhin davon, dass die Lanze ausserdem magisch gesichert wurde – wie meint ihr das?“ „Das Hügelgrab hat einen versteckten Eingang der in eine kleine Kammer führt. In dieser ruht die Lanze in einem Steinsarkophag. Der Schrein ist mit einer großen Granitplatte bedeckt. An den vier Kanten der Platte ist jeweils ein magisches Siegel angebracht.“ „Das wiederum nur der öffnen kann, der auch den Stern von Taurin trägt.“ ergänzte Charim wissend. „Das glaube ich nicht Charim….“ meinte Tiron, „…. denn das hätte vorausgesetzt, dass der erste Schlüssel – also der Stern – beim Verschließen der Gruft vor Ort gewesen wäre. Und wir wissen, dass er das nicht war, denn zu diesem Zeitpunkt wusste niemand wo er sich befand.“ Belarion nickte anerkennend, „Sehr gut kombiniert, junger Mann.“ Charim verzog sein Gesicht, „Stimmt, da war ich wohl etwas zu vorschnell.“ „Wie so oft!“ schmunzelte Marla leise und erntete dafür einen bitterbösen Blick von Charim. Belarion sprach indessen weiter, „Die vier magischen Siegel sind nur mit der richtigen Beschwörungsformel zu lösen. Bei falscher Anwendung, stürzt das Grab in sich zusammen und begräbt jeden der sich darin befindet.“ Marla legte ihren Kopf in beide Hände, „Könnte es sein, dass die Ghule bereits auf das Grab gestossen sind und es zum Einsturz gbracht haben könnten? Als Aasfresser haben sie sich bestimmt über die Ruhestätten hergemacht. Das würde unser Vorhaben nicht gerade einfacher machen.“ „Das wissen wir nicht – Ihr werdet es vermutlich erst erfahren, wenn Ihr vor Ort seid. Allerdings hätten wir davon erfahren wenn die Siegel gebrochen worden wären. Die Lanze liegt also noch dort.“ sagte Asran. „Schön und gut Asran, aber zuersteinmal müssen wir an das Grab gelangen – also wie finden wir es? Wir haben bestimmt nicht die Zeit dazu, jedes einzelne zu untersuchen.“ Belarion sah ihn freundlich an, „Das braucht ihr auch nicht.“ Er zog einen kleinen Gegenstand aus dem Saum seines Umhanges und legte ihn auf den Tisch. Wie auf ein geheimes Kommando beugten sich die zwei Pantheras, Charim und Tiron nach vorne um ihn genauer zu betrachten. Etwas Rundes und flaches lag vor ihnen – eine Scheibe von der Größe eines kleinen Tellers. Das Stück bestand aus einem gelblichen Stein, der so glatt geschliffen war, dass man hindurch sehen konnte. Es waren rundherum die Himmelsrichtungen eingraviert, und dort wo die sich Prägung des Südens befand, war eine Art Halterung angebracht. „Was ist das?“ staunte Tiron. „Es gibt in Murthal einen besondern Ort - einen großen Höhenrücken, der nicht zu übersehen ist. Dort oben stehen zwei steinerne Obelisken, sie wurden damals zu Ehren der Toten aufgestellt. An jedem der Säulen wurde in ungefähr sechs Fuss Höhe eine Kerbe angebracht. Wenn man dort einen geraden Stock einlegt und die Scheibe genau in der Mitte platziert, mit dem Symbol für Süden nach unten - zeigt sie einem bei Sonnenaufgang das Hügelgrab indem die Lanze verborgen ist.“ Er nahm die Scheibe vom Tisch und reichte sie Tiron mit den Worten, „Achte gut auf sie.“ „Danke Belarion – das werde ich tun. Wie wird das Grab entsichert?“ „Auf dem Grab steht eine Inschrift, folgt den Anweisungen. Nur wenn ihr diese genau befolgt – und nur dann - wird der Inhalt preisgegeben. Achtet auf das Rechts und Links.“ Der Zimbarer schüttelte den Kopf, „Schöne Aussichten – erst die Ghule, dann vielleicht das Grab ausschachten müssen oder wenn nicht - lebendig begraben zu werden.“ „Wir werden sehen, Charim. Belarion, wir werden morgen früh in Richtung Senuum aufbrechen, die hohe Frau Helena wird ebenfalls abreisen um König Thalen zu unterstützen - jetzt sollten wir die weiteren Schritte besprechen. Was passiert in der Zwischenzeit und was wenn wir den zweiten Schlüssel in unseren Händen halten?“ „König Thalen hat die südlichen Reiche benachrichtigt, das heißt Zimbara und Taurin wissen bereits Bescheid. Der Norden wird sich als schwierig erweisen, denn die Menschen leben dort versprengt – haben keine einheitliche Führung. Ausserdem gab es in der Vergangenheit immer wieder einzelne Stammesfürsten, die sich mit dem Bösen zusammen getan haben. Der Fürst der Finsternis hat bei diesen Menschen oftmals leichtes Spiel, sie auf seine Seite zu ziehen. Die Lebensbedingungen im Norden machen es ihm einfach, die Menschen mit seinen falschen Versprechungen über Wohlstand, genug Nahrung und Macht zu blenden. Lady Helena wird die Narsim unterstützen, gemeinsam mit Zimbara und Taurin eine Armee aufzustellen. Dieses sollte sich möglichst bald in Bewegung setzen. Die Narsim haben genug Schiffe – so sollte der Transport über den Fyndyr, Richtung Norden kein Problem darstellen – ausserdem werden sie sehr schnell vorankommen. Und je weiter sie vorankommen, desto sicherer werden die Grenzen im Süden sein – was heißen wird, dass die Heere im nördlichen Teil von Schattenwelt zusammentreffen werden. Es gilt also dafür einen geeigneten Platz zu finden, der uns Vorteile verschaffen könnte. Mein Vorschlag – wir senden schon heute Kundschafter nach Norden, um eventuelle Nachschublinien und schnelle Wege zu erforschen. Ich werde ausserdem Chimaira und Zelos aussenden, die Bewegungen des Bösen von der Luft aus im Auge zu behalten.“ Belarion sah in die Runde und jeder der Anwesenden gab sein Einverständnis dazu. Nun meldete sich zum ersten Male der Magier Galamthiel zu Wort, „Ich werde Dir Tiron und Euch, Lady Helena, Kristallwasser mitgeben, mit diesem habt Ihr zu jeder Zeit die Möglichkeit mit uns in Verbindung zu treten, um uns über aktuelle Ereignisse auf dem Laufenden zu halten. Helena kennt die Handhabung des Kristallwassers bereits aus der Vergangenheit. Wer soll es bei Euch sein, den ich im Gebrauch des Wassers unterweisen soll?“ „Ich denke, Marla, Du solltest diese Aufgabe übernehmen. Herr Galamthiel wird sicher mit mir übereinstimmen – Du hast die meiste magische Erfahrung von uns Dreien und wirst dadurch am schnellsten lernen.“ Marla teilte ihr Einverständnis mit und daraufhin meinte der Magier, „Gut, dann ist es so entschieden. Ich werde Dich im Anschluß an diese Zusammenkunft unterweisen.“ Lauron sah Belarion an, „Wenn Ihr erlaubt Herr, so werde ich nach Norden, nach Asgard gehen, um zu sehen was ich dort im Verborgenen tun kann, um das Böse davon abzuhalten, weitere Menschen als Verbündete zu finden.“ Der Oberste der Norodim sah das Ratsmitglied fragend an, „Dir ist klar Lauron, nachdem das Böse sich im Norden zusammenzieht, dass Du Dich und uns der großen Gefahr aussetzt, entdeckt zu werden? Ferner hätten wir keinerlei Möglichkeit Dir zu Hilfe zu eilen.“ „Ich weiß, Belarion, trotzdem bitte ich Euch um die Erlaubnis. Ich werde sehr vorsichtig und umsichtig zu Werke gehen – aber es geht immerhin um meine Landsleute. Überdies werde ich nicht untätig zu sehen, wie die Finsternis sich meiner Heimat Asgard bemächtigt. Ich hoffe Ihr versteht das?“ Belarion nickte ernst, „Gut, dann soll der Rat entscheiden.“ Es entstand eine lange Diskussion um das Für und Wider, doch der Rat gab Lauron sein Einverständnis. Nachdem diese Entscheidung gefallen war, ließ sich Belarion in die Lehne seines Stuhles zurückfallen, seufzte kurz und sagte, „Ich glaube jetzt wäre eine Pause angebracht, meint Ihr nicht? Lasst uns ein wenig die Beine vertreten.“ Sie erhoben sich von ihren Plätzen. Varna hakte sich bei Marla unter, „Was meinst Du – wollen wir einen kleinen Spaziergang unternehmen?“ „Gerne Varna.“ „Ihr entschuldigt uns? Sozusagen ein Gespräch unter Schwestern!“ warf Varna schelmisch in die Runde. Und ohne eine Antwort abzuwarten, verließen sie den Raum. Charim stieß Tiron an, „Na, da haben sich wohl zwei gefunden, die sich viel zu erzählen haben.“ Tiron zuckte mit den Schultern, „Wer kann es ihnen verdenken. Es wird praktisch ein Gespräch über Jahrhunderte – unglaublich oder? Wenn man Marla sieht, vergisst man leicht, wie alt sie wirklich ist.“ Charim blickte gedankenverloren in eine Ecke des Raumes, „Ja – das vergisst man wirklich leicht. Schau sie Dir an – keine einzige Falte und diese Figur erst!“ Tiron gab ihm einen leichten Stoss in die Rippen. Charim schrak hoch, „Ja, ist ja schon gut – hab nur mal kurz geträumt.“ Tiron grinste, „Sie gefällt Dir – oder?“ Charim wurde rot, „Natürlich - Dir nicht?“ „Komm Charim, Du weißt genau wie ich das meine!“ „Ach, was Du wieder denkst!“ winkte der Zimbarer ab und wandte sich zu Lauron, der in der Nähe gestanden hatte. Tiron schmunzelte nur, angesichts der Reaktion seines Gefährten. Der Magier des blauen Bandes kam auf ihn zu, „Ich hätte eine Bitte an Dich, Tiron.“ „Sprecht, Herr Galamthiel.“ „Du wirst morgen nach Senuum aufbrechen und ich gehe davon aus, dass Du die Gelegenheit nutzen wirst, Deinen ehemaligen Meister, Xinbal, zu besuchen?“ „Hoher Herr – Sie kennen ihn persönlich?“ „Ja, wir haben lange Zeit gemeinsam einen gleichen Zweig der Magie erforscht. Doch irgendwann trennten sich unsere Wege, aufgrund unterschiedlicher Ansichten. Denn – und das werdet Ihr bestimmt bestätigen, ist Xinbal in vieler Hinsicht ein – hmm, wie soll ich sagen – nun ja, ein seltsamer Kauz mit vielen Eigenheiten. Es ist nicht leicht mit ihm auszukommen.“ Tiron lachte laut auf, „Oh ja, Herr Galamthiel, dass ist er wahrlich und Sie haben recht, ich dachte schon darüber nach, ihn zu besuchen. Xinbal lebt seit sehr langer Zeit in dieser Gegend. Ich denke er wird uns in mancher Hinsicht – aufgrund seiner genauen Ortskenntnisse – helfen können. Was wäre denn nun Eure Bitte an mich?“ „Könntet Ihr ihm eine Schriftrolle überbringen? Darin sind meine Ergebnisse über den besagten Zweig der Magie enthalten. Nachdem sich unsere Wege trennten, habe ich dort weitergeforscht und ich denke Xinbal hat das ebenfalls – natürlich auf seine Weise -  getan. Es ist – gebe ich ehrlich zu - nicht ganz uneigennützig, warum ich das tue, denn kein Magier gibt gerne seine Ergebnisse preis. Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich – vorsichtig ausgedrückt – nicht mehr weiter weiß, weshalb möchte ich ihn um Hilfe bitten möchte. Vielleicht habe ich etwas übersehen.“ „Das werde ich gerne tun. Ich werde seine Antwort überbringen.“ „Das wird nicht nötig sein. Er wird sich bestimmt mit mir in Verbindung setzen – wahrscheinlich mit dem Hinweis, dass ich die Hälfte übersehen habe und was für ein Quacksalber ich doch bin.“ meinte Galamthiel leicht ironisch. Tiron grinste, „Ja, das würde zu ihm passen – doch er ist kein schlechter Mensch – es ist nur seine ureigene Art.“ „Ihr könnt mir glauben, Herr Tiron, leicht fällt mir das nicht. Ich würde es nicht tun, wenn es nicht allergrößter Wichtigkeit wäre.“ „Was erforscht Ihr denn eigentlich?“ wollte Tiron wissen, doch Galamthiel hüllte sich in Schweigen, „Es reicht wenn Ihr ihm die Schriftrolle überreicht.“ Tiron versuchte erst gar nicht weiter zu bohren. „Ihr habt mein Wort, dass er sie erhalten wird.“ „Danke, junger Freund.“ Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, wendete sich der Magier ab. Nachdenklich sah ihm Tiron hinterher wie dieser den Raum verließ. Charim stand plötzlich wieder neben ihm, „Was wollte er?“ „Ich soll Xinbal eine Schrift von ihm übergeben.“ „Aha, das heißt also, wir lernen Deinen Meister kennen? Na, da bin ich ja gespannt.“ „Er weiß mehr über Senuum als jeder andere, vielleicht kann er uns im einen oder anderen Falle helfen. Aber nun komm, lass uns etwas die Beine vertreten.“ 

Sie verließen den Ort, gingen durch den großen Saal und schlenderten langsam durch die Vorhalle – Richtung Ausgang der Höhle. Charim wurde etwas unruhig, „Wo willst Du hin, Tiron? Doch nicht etwa zu den Drachen?“ Tiron grinste, „Doch Charim, genau das will ich – ich möchte mit Chimaira sprechen.“ „Hoffentlich ist Zelos nicht in der Nähe.“ meinte Charim sichtlich nervös. Als sie den Ausgang erreichten, war von beiden Drachen keine Spur zu sehen. Tiron richtete seine Gedanken auf Chimaira, „Chimaira – hier ist Tiron. Wäre es möglich mit Dir zu sprechen?“ Ein paar Sekunden später vernahm er die sanfte Stimme des weiblichen Drachen, „Natürlich, Tiron.“ Er sah wie sich plötzlich ein großer Schatten über den Vorplatz legte, dann wirbelte Staub auf und Chimairas Kopf erschien im Höhleneingang. „Was ist denn, Schlüsselträger?“ Charim sah sich hektisch um. „Nein Charim, Zelos ist nicht bei mir, er jagt gerade im Ankorgebirge.“ Der Zimbarer atmete auf, „Es ist ja nicht so, dass ich mich fürchte – er ist mir einfach zu unbeherrscht und unberechenbar.“ „Nun, dass liegt – bekanntermaßen - in seiner Natur, aber es sei Dir versichert, dass er keinen Groll gegen Dich, besser gesagt Euch, hegt. Er nimmt seinen Auftrag als Wächter sehr ernst.“ Sie sah zu Tiron, „Was wolltest Du mich fragen?“ „Hat irgendjemand in den letzten Jahren versucht zur Höhle zu gelangen? Also jemand dem es nicht gestattet war?“ Chimaira schien zu überlegen, „Warum fragst Du mich das?“ „Wir fanden gestern, am Rande der Schlucht ein ausgebleichtes Skelett und manche Dinge deuten darauf hin, dass er eine hohe Stellung gehabt haben muß. Er hatte eine schwere Verletztung – sein Oberschenkel war gebrochen. Ich dachte, vielleicht wurde er der Prüfung unterzogen und dabei verletzt oder getötet.“ „Nein Tiron, nicht das ich wüsste. Viele haben es versucht, aber die meisten scheiterten schon am Abgrund der Seelen. In den letzten Jahrhunderten hat es eine Handvoll geschafft, die andere Seite zu erreichen, aber sie bestanden die Prüfung nicht. Glaube mir, Drachenfeuer lässt keine Verletzungen zu – sie sind alle zu Asche und Staub geworden. Doch ist es in der Tat seltsam, dass ein Mensch über den Abgrund gelangt sein sollte, ohne dass wir davon Kenntnis hatten.“ „Danke Chimaira, ich wollte es nur wissen.“ „Wie läuft die Ratsversammlung?“ „Du weißt davon?“ „Natürlich – Belarion hat mich und meinen Bruder bereits informiert, dass wir Ausschau nach dem Bösen halten sollen.“ „Ich denke sie verläuft gut. Manchmal brummt mir schon der Schädel, wieviele neue Einzelheiten wir in den letzten Tagen erfahren haben. Der Stein ist jetzt ins rollen gekommen – wollen wir also hoffen, dass sich alles zum Guten wenden wird.“ „Ich glaube, dass wünschen wir alle – doch es liegen dunkle Zeiten vor uns – und viele Lebewesen werden ihr Blut in Schattenwelt lassen!“ meinte Chimaira traurig. Tiron machte ein düsteres Gesicht, „Ja, Drache, wir werden einen hohen Preis zahlen müssen. Charim und ich werden jetzt wieder zur Versammlung gehen. Grüße Deinen Bruder von uns!“ Der Drache deutete eine Verbeugung an, „Ich werde sie ausrichten. Grüsst bitte ebenfalls Marla von mir.“ Chimaira drehte sich um, stieß sich kräftig vom Boden ab und flog davon. Charim sah ihr hinterher, „Jedesmal wenn ich diese gewaltigen Schwingen sehen, läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Ich möchte diese beiden wirklich nicht zum Feind haben.“ „Und doch werden wir es mit ihnen zu tun bekommen, denn auch das Böse hat Drachen in seinen Reihen. Erinnere Dich an den Vorfall mit den Trollen und Harpyien.“ „Ich weiß, aber eigentlich will ich da jetzt gar nicht drüber nachdenken.“ Er schüttelte sich, als wollte er diesen unangenehmen Gedanken einfach abstreifen. Tiron legte seine Hand auf Charims Schulter. „Komm lass uns zurückgehen.“ Sie liefen zurück in den Versammlungsraum. Marla und Varna waren noch nicht von ihrem Spaziergang zurückgekehrt, alle anderen saßen bereits auf ihren Plätzen. Charim nahm sich einen Apfel von der Obstschale und biß genüsslich hinein. Lauron hatte sich etwas Wein eingeschenkt und unterhielt sich – wild gestikulierend - mit Asran und Galamthiel. Als Tiron sich gesetzt hatte, gab Belarion zu verstehen, dass er die Versammlung fortsetzen wollte. Das Gespräch verstummte und die Anwesenden wandten sich ihm zu, „Auch wenn die beiden Pantheras noch nicht hier sind, möchte ich unsere Unterredung nun fortsetzen.“ Genau in diesem Moment, betraten Varna und Marla den Raum. Der Norodim lächelte ihnen kurz zu, „Ah – wir wollten gerade anfangen. Bitte setzt Euch.“ Die zwei Amazonen murmelten etwas von einer Entschuldigung und nahmen Platz. „Da jeder nun weiß, was er zu tun hat, möchte ich nochmals auf die Prophezeiung eingehen.“ Tiron sah Belarion erstaunt an, „Hoher Herr – ist das notwendig? Wir kennen sie bereits.“ „Ja – es ist notwendig Tiron – denn Du kennst nicht alles was geschrieben wurde und der Rest der Weissagung  dürfte – vor allem für Dich - von entscheidender Bedeutung sein.“ Der Norodim schlug ein großes Buch auf, das die ganze Zeit vor ihm auf dem Tisch gelegen hatte. Er blätterte eine Weile darin, schlug dann eine Seite – ungefähr in der Mitte des Buches auf und fing an laut vorzulesen:
 
„Höret, Ihr Gelehrten von Chem, in dunklen Zeiten, die über das Land hereinbrechen werden, wird ein Mann aus dem Norden kommen – er wird das Licht bringen. Doch vorher werden Blut und Tränen fließen. Das Böse von Schattenwelt wird wieder aufwachen und sich erneut erheben – um das Land dem Dämon der Finsternis zu Füssen legen. Doch der Stern von Taurin wird  Einhalt gebieten. Doch wisset auch, die Macht des Sterns verklärt sich, wenn die Hände die ihn tragen, falsche Absichten haben. Der Träger des Sterns hält alle Macht in Händen – wenn er sie zu nutzen weiß. Seine Stärke und seine Klugheit werden sich mit der Macht des Sterns zu einer Einheit verbinden. Diese Einheit wird dem Bösen die Stirn bieten – es zurück in seine dunklen Abgründe drängen. Die Norodim wissen, die Torwächter beschützen. Doch merket Euch – kann etwas, dass schon tot ist - noch sterben?“

Als er geendet hatte, meinte Tiron, „Nun das ist uns alles bekannt.“ „Nicht so ungeduldig junger Mann.“ schmunzelte Belarion und las weiter:          

„Und der Eine wird kommen, um das zu vollenden, was der Andere begonnen hat.
Ohne Licht kein Schatten – ohne Hell kein Dunkel.
Töte das Licht – und Du wirst sterben,
töte den Schatten -  und Du wirst leben!
So steht es geschrieben und so wird es geschehen.“

Nachdem Belarion geendete hatte, ließ Charim sich in die Lehne seines Stuhles zurückfallen und schüttelte seufzend seinen Kopf, „Was hat das denn schon wieder zu bedeuten? Langsam verstehe ich gar nichts mehr. Immer dann wenn wir meinen es sei alles geklärt, kommt wieder eine Neuigkeit.“ Tiron sah den Norodim an, „Erklärt es mir. Was ist damit gemeint töte das Licht und du wirst leben?“ „Nun – die Prophezeiung wurde nach dem dunklen Zeitalter ausgesprochen. Eine Weissagung wird in einem tiefen Bewusstseinszustand ausgesprochen, dass heißt dass derjenige der sie spricht sich in einer Art Trance befindet. Er redet aus einer höheren Ebene seines Bewusstseins und kann sich hinterher nicht mehr daran erinnern. Aus diesem Grund ist bei einem Orakel immer ein weiterer Teilnehmer anwesend, um die gesprochenen Worte niederzuschreiben. Die Gabe in höhere Regionen des Ichseins einzutreten haben nur sehr fähige Seher. Die in solch einer Sitzung niedergelegte Weissagung in einen richtigen Zusammenhang mit vergangenen, aktuellen oder zukünftigen Geschehnissen zu bringen ist eine dann aber ganz andere Sache. Der Satz „und der Eine wird kommen, um das zu vollenden, was der Andere begonnen hat.“ bezieht sich – und da sind wir uns einig – auf Deine Person. Leander hat das begonnen was Du vollenden sollst – nämlich Obsidian zu vernichten.“ „Soweit so gut, Belarion. Und die anderen Worte?“ Verlegen kratze sich Belarion am Kopf, „Tja – da tappen wir allerdings weiterhin im Dunkeln.“ Charim blickte erstaunt auf, „Wie – Ihr die großen alten Norodim – wisst es nicht?“ „Charim!!“ fuhr Marla dazwischen. „Lasst ihn Marla – er hat in gewisser Weise ja recht. Es ist so wie ich sagte – die Worte in den richtigen Zusammenhang bringen ist nicht einfach. Wir glauben allerdings, dass Du – Tiron, die Worte bald selbst entschlüsseln wirst. Der Stein ist jetzt ins Rollen gekommen, die Zeit einer Konfrontation mit dem Bösen steht unmittlerbar bevor und so werden sich Dir neue Wege öffnen, den Sinn dieser Weissagung zu verstehen.“ „Das wollen wir hoffen – ich würde ungern in eine Schlacht ziehen ohne zu wissen, wie ich meinen Gegner – in diesem Falle Obsidian – vernichten kann. Denn – und so sieht es anscheinend aus – ist es zwar wichtig beide Schlüssel zu besitzen, aber das alleine wird vermutlich nicht ausreichen!“ meinte Tiron sorgenvoll. Marla räusperte sich kurz, „Hoher Rat, da wäre noch etwas. Varna wird mir beibringen wie ich meine Gedanken und meine Aura vor unseren abtrünnigen Schwestern verbergen kann – doch ich werde eine längere Zeit benötigen, dies zu erlernen. Deshalb meine Bitte an den Rat der Norodim und an Euch, Tiron und Charim – Varna soll mit uns gehen, denn so kann sie mich während unserer Reise unterrichten. Das würde uns viel Zeit ersparen. Varna hat bereits ihr Einverständnis dazu gegeben.“ Tiron schaute die zwei Pantheras an, „Ich denke ich spreche auch für Charim, wenn ich sage, dass Varna uns willkommen ist. Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen suchen seinesgleichen und könnten von entscheidender Bedeutung sein. Allerdings kann ich nur für uns und nicht für den Rat sprechen.“ Charim nickte nur, zum Zeichen das auch er einverstanden war. Galamthiel meinte, „Nachdem bereits Lady Helena und Herr Lauron ausgesandt werden, so sollten wir es Varna nicht verwehren. Wenn sie es möchte, so hat sie mein Einverständnis.“ Varna lächelte, „Danke Galamthiel.“ Belarion erhob sich, „Haben die anderen Mitglieder des Rates Einwände?“ Man sah nur Kopfschütteln. „Gut – Varna wird sich also mit Tiron, Charim und Marla auf die Suche nach der Lanze begeben. Marla sollte nun mit Lady Helena gehen, damit sie im Gebrauch des Kristallwassers unterrichtet wird. Morgen in aller Frühe wird sich Lady Helena nach Norgrond begeben und Herr Lauron wird nach Asgard reisen. So erkläre ich nun die Ratsversammlung für beendet. Ich werde die Brüder und Schwestern von unseren Übereinkünften unterrichten. Ruht alle ein wenig – vor uns liegen ereignisreiche Zeiten. Wir werden uns zum Abendessen sehen – ich werde nach Euch rufen lassen.“ Belarion erhob sich und nickte würdevoll allen Teilnehmern der Versammlung nocheinmal zu und verschwand durch die Eingangstüre. 

S e i t e n z a h l :  250 
A u t o r I n :  zum Autor Jörg Erlebach  

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Kommentare (1)
RSS Kommentare
1. Geschrieben von: Prystawik am 24-08-2008 11:37
 
 
Super!
Ein sehr spannender Einblick in die Chroniken von Schattenwelt. Ich kann es kaum erwarten die komplette Geschichte lesen zu können. 
Das macht wirklich Lust auf mehr. 
Spannend, atmosphärisch und richtig gut geschrieben. 
Weiter so!
 

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